Montag, 21. September 2009

kwita izina


An traditionellen Traditionen beiwohnen zu dürfen ist für einen Muzungu etwas Schönes, es gibt einem ganz Klar das Gefühl dazuzugehören. Vor knapp 5 Wochen kam Immacule's und Eugène's Poppi zur Welt. Ruandische Tradion ist es, das Neuegeborene der Gesellschaft nach acht Tagen auf der Welt "vorzustellen". Dabei spielt auch dessen künftige peer-group, also alle Kinder aus der Nachbarschaft eine wichtige Rolle. Sie sind es nämlich, die gemäss Tradition die Namensgebung vollziehen oder besser gesagt der Mutter Namen vorschlagen, von denen dann die Eltern den Besten auswählen. Traditionell ist das Elternpaar dafür verantwortlich, dass die Kinder gut und in einer fixen Abfolge speziell bewirtschaftet werden. Wie auch bei den schnupfenden Jodler in der Schweiz sind Traditionen von modernen Errungenschaften der Zivilisation geprägt und so war das Fest bald in den Händen von einem Haufen vom fantaschen'Zuckerschock überdrehten Kindern. Ein wenig Disziplin wurde jedoch von allen verlangt, als man zu eigentlichen Namensgebung geschritten ist. Jeder setzt sich neben das frischgebackene Mami und verkündete voller Stolz den Namen der in seinen Augen cool tönt. Die Mutter wiedeholte diesen Namen laut, das Publikum machte aaaa, oooo, eeee oder schmunzelte und der Vater machte sich Notzen, die er schliesslich mit seiner Frau bespricht. Resultat des ganzen Prozedere war der Name "Owen Neza Kayijamahe". Nicht wirklich einer der vorgeschlagenen Namen, aber einer der vor allem dem unglaublich stolzen Eugène verheerend gut gefällt.

Ruanda ist seit der kwita izina von Owen endlich wieder in der Regenzeit. Die Temperaturen sind deutlich gesunken und die Strassen fast schon autobahnähnlich flachgepresst. So werden nicht nur die ruandischen Kinderstuben mit neuem Leben erfüllt, sondern auch die in der Zwischenzeit sehr braunen Hügel Ruandas.

Montag, 10. August 2009

Partypanzer goes Erstaugustfeier



Ist man in anderen Ländern, lernt man sich auch selbst von einer ganz anderen Seite kennen. Die einzige Erstaugustfeier, die ich bis jetzt mit meiner Anwesenheit beehrt habe, waren antipatriotische Festivitäten in der Box und "Füürwerkluagavumbergaba". Doch es gibt sie wieder erwarten doch, die fast so perfekt organisierten Erstaugustpartys auf der anderen Seite des Grüenbödeli. Eine davon ist diejenige des schweizer Konsulates in Kigali, zudem ich mich in der letzten Woche eingeladen habe. Wir werden in Ruanda ziemlich gut von vertreten vom schweizer Konsul und seiner Frau und natürlich diversen Girlanden, Lampions und Flaggen. Die Gedanken des semi-international tönenden Bundespräsidenten primus inter pares aka HRM aka "fronsä federal", der Schweizerpsalm bei dem niemand aufgestanden ist oder gesungen hat (also auch ein bisschen ein antipatriotisches Fest, das hätten also die Pöngger von Davos nicht besser hingekriegt) und nicht zuletzt die gestochenscharf in Szene gesetzten Bilder von Schweiz Tourismus kratzten ein bisschen die verheilten Heimwehwunden auf. Bratwürste, Cervelats, Herdöpfelsalat, Käse, Toblerone und Basler Läckerli beschwichtigten dieses Gefühl aber sogleich wieder. Ratet mal wie viel mal ich nachschöpfen gegangen bin? Auch die Kehle konnte man mit bekannten Schweizer Weinen anfeuchten. Nur das "heimische" Bier wurde durch südhemisphärisches ersetzt. Schgandal. Ich bin bei einer Familie gesessen, die für das DEZA arbeiten. Dann wurde ich noch von einem Journalisten interviewt. Seine beste Frage war, warum ich die Party so gelungen fand: Meine vor Lokalpatriotismus triefende Antwort war: Weil ich es wunderbar abenteuerlich finde die Bündnerfahne über den Lichtern von Kigali wehen zu sehen. Ha, das hätten selbst die Werbetexter von Graubündenferien nicht besser hingekriegt. Diese sehr geschickt formulierte Antwort wurde dann leider von einer Frage gefolgt, die ein Tabuthema ansprach, da er fragte ob ich alleine hier sei. Doch auch für diese aufgekratze Wunde fand ich sogleich ein wenig Linderung bei einem biersehligen Tischgespräch.

Von Samuels Schiesskeller und Autocorsos



Volleyball ist der Nationalsport von Ruanda (Skyline der Hauptstadt im kleinen Bild, gefunden im National Geographic Altpapier). Ein klares Statement, das aber nur ein kleiner Protzentsatz der Ruander unterschreiben würde. Warum dass?- Man führe sich mal das Idealbild eines Volleyballer vor Augen: Einer der entscheiden Faktoren sind die Körpergrösse, nicht zu füllig, weil sonst ist man zu langsam um 2 mal pro Angriff zu Blocken oder hald eine solide Abnahme hinter dem Ball zu machen. Grosse Angreifer greifen hald auch höher an, oder stellen einen ebenso hohen Block. In Ruanda wurden/werden Leute unter anderem fälschlicher Weise gemäss Körpergrosse voneinander abgegrenzt. Seit 94 stellt diese grössere Bevölkerungsgruppe, die anzahlmässig die Kleinere ist (Grüazi, min Nama ich kurz, i haissa Lang) die Regierung. Tendenziell ist es auch so, dass eher bildungsnahe Schichten gross sind. Oft sind politische Entscheidungsträger aus diesem Bildungsbürgertum, folglich befindet sich vor dem Büro des Premierministers ein Volleyballplatz (für weitere Ausführungen dieser Art ist dieser Blog nicht die richtige Plattform, es ist aber bedenklich, wenn man sieht wie diese Abgrenzung auch heute noch überall unterschwellig mitschwingt). Zurück zum Büro des Premierministers: Jeder kann Reinspazieren um zu spielen. Klingt komisch, ist aber so. Cool, nicht? Dass wär wie wenn wir in Pascals Weinkeller einen Weissen schlürfen gehen könnten oder in Samuels Schiesskeller unser Obligatorisch schiessen gehen oder uns unter der Aufsicht von Herrn Leuenbergers Frau ein Tatoo stechen könnten. Nicht auszudenken was ein Hodler-Fan tun könnte, wenn die Schweiz Ruanda wär...einach crazy...
Fussball ist in Ruanda jedoch eher massentauglich und vor und nach diesen sportlichen Grossereignissen, sind die zum Stadion führenden Strassen verstopft. Manchmal wird sogar versucht ein Autocorso zu machen. Das hingegen scheitert dann wieder an der zu geringen Fahrzeugdichte, bzw. kann man das Hupen wegen Fussball schlecht vom Hupen wegen Überholen bzw. Hupen wegen freien Plätzen im Matatu bzw. Hupen wegen weils schön tönt bzw. Hupen wegen ich fahr mal auf die Kreuzung, unterscheiden.

Dienstag, 7. Juli 2009

back in black...

Africa...Eines vorneweg: Drei berühmte Philosphen aus dem Kanton Graubünden haben mal folgende Sätze in einen Sprachgesang gebannt:

i selber schtohn uf dere siite womer het wasmer bruucht
doch ich han au die ander xeeh wo mer im Dreck fascht versuuft
do machend deppa uf cool
redend von schtrossa und rap
und anderswo träumt mer devo chem vor Strass bald wäg
aber ehrlich mir ischs gliich obers schlussendlich au tschägt
verlang vo keinem daser hüt no s sälbschverständliche schätzt
und sich in punkto grechtigkeit als grosse gläubige zeigt
und schliesslich gitz i jeder sprach es wort für fröide und leid
au wenn d rechnig ufgat chasch di nid uf zahla verloh
zumals bi üs der Wohlstand isch wo Kids verwahrlosa lot
[...]
üses Dasi kennt zwei Site
und wir können auf beiden stehn
abr Glück chömer nid fasse
solang wir nur die eine sehn
Glück und Päch zu unterscheiden
das bereitet kein Problem
nur warums üs ungliich trifft
kann man nicht so leicht verstehn
mer chönd uf beidne stoh
den unser Dasein kennt zwei Seiten
doch wel mir nur eini gseend
kann man sein Glück nicht begreifen
Glück und Pech zu unterscheiden
das bereitet kei Problem
nur warums nicht gleich verteilt ist
ist nicht einfach einzusehn

(Sektion Kuchikäschtli, passendi Wort)


Trotz ähnlicher Erkenntnisse ist es ziemlich toll wieder in Ruanda zu sein. Sowohl beim CGIS als auch im Bekanntenkreis hat sich einiges getan. Ich werde in den nächsten Wochen im Kigali-office tätig sein. "Unser" Haus in Butare werde ich also vorläufig wohl nicht mehr so schnell bewohnen, was nichtmal so ungünstig ist, den zum einen ist es im Moment von meinen "Nachfolger" bzw. von diversen Leuten, die für die IT-Abteilung der Uni und für SPREAD arbeiten belgegt und zum Anderen ist die hat Küche von Lennart in Butare ein bisschen grössere Bekanntheit erlangt. So wurde das Haus "Chez Muzungu" getauft. Der Alki-wächter wurde trotz ruandischem Beziehungsnetzwerk entlassen und Israel, das "Mädchen für alles" des Hauses hat nun eine Freundin (der er scheinbar fast so viel Aufmerksamkeit schenkt wie der Kirche, was sie zu einem der bestumsorgtesten Mädels südlich des Viktorasees macht). Weiter ist der Wächter vom ESRI-Haus beim Hausmächen von Martin abgeblitzt. Ruanda bietet also auch definitv mehr als jede noch so schnell geschnittene Folge von Glanz und Gloria. Vorübergehende Probleme an der GNSS-Station auf dem Dach des Telecom-Hauses haben mich am Samstag dorhin geführt und auch noch gleich einen idealen Platz zum ungestört släcklainen gefunden. Meine bisherigen Beiträge lassen evenutell den törichten Gedanken zu, dass die Arbeit in Ruanda gar nicht so streng ist. Doch das ist weit gefehlt. Auch diesesmal werde ich äusserst gesund gefordert sein. Oben auf der to-do list steht das Entwickeln eines Prototyps einer spatial data infrastructure, die Fernerkundungsszenen des CGIS in einem Imageserver zu popeln, am PGD zu unterrichten und natürlich die Aufgaben der vielfältigen Kundschaft (von der kleinen NGO über diverse Ministerien bis hin zu weltweit agierenden Organisationen) des CGIS vollumfänglich zu erfüllen. Mein direkter Vorgesetzter ist Eugene, ein wohlüberlegter und weitgereister Ruander. Generell werden die Aufgaben nicht ganz einfach sein, da ich mindestens auf dem Papier Stefan ablöse, einen Mann mit gespanntem Beziehungsnetz und einer nicht zu unterschätzenden Bekanntheit in Kigali und Butare, sowie vielfältige auf ruandische Verhältnisse optimal abgestimmte (GIS-)Skills. Freizeitaktivitäten kann man also auch in der ruandischen Hauptstadt nachgehen; Sonntag nachmittag war ich im cercle sportif ultimate-frisbee spielen gegangen. Dieses rolf'sche Rumgerenne hat es sogar auf die südliche Seite vom Äquator geschafft und es ist fast so gemütlich wie auf dem blauen Platz am Irchel, aber eben hald nur fast, da Ruanda und vorallem seine Lehmstrasse in der momentanten "Trockenzeit" fast soviel Staub aufwirbeln wie die Lössfelder in Alaska, was das Atmen nicht leichter macht. In der Nacht werfen die Schatten der Passanten regelrecht Bocktengespenster in den in der Luft befindlichen Staub (Einfach crazy was ich für lustige Sachen in den letzten 5 Jahren gelernt habe. Da soll noch jemand sagen man könne das Zeugs für nichts gebrauchen bzw. die Uni vermittle weltfremdes Wissen).

Samstag, 27. Juni 2009

Nicht nur ruanda rockt, sondern auch da vos schön isch und downtown switzerland




Nun, ich habe den letzten Monat in der Schweiz verbracht. Trotz Ferien war er sicherlich nicht der leichteste meines Lebens. Ich glaube ich bin mit falscheren Vorstellungen zurück in die Schweiz gekommen, als ich im Januar nach Ruanda gegangen bin, vor allendingen was die meineserachtens gesund gelebte Partnerschaft angeht. Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. „Ganz klar der Kulturschock“, schliesst der geneigte Leser voreilig. In diesem den Schuldigen zu suchen ist aber etwa gleich clever, wie mit einem präsenilen Exbundesrat eine Wirtschaftsethikprofessur zu besetzen. Der Kulturschock hat dem Juno also sicher nur auf eine minimal beschränkte Art und Weise mitgeprägt. Weltverbesserisch habe ich nämlich nur konstatiert, dass wir in der Schweiz nicht im Überfluss, sondern in blanker Verschwendung leben. Dies mache natürlich auch ich – auch in Ruanda, den dort lebt es sich auch mit dem Lohn eines methodischen Geographen minimal aber passend ausgerüstet mit Wissen über GIS, wie ein Spatz im Hanfsamen. Neben dem, dass ich vom Angebot eines Migros geflasht bin, finde ich daran also nicht Spezielles in den beiden Unterschiedlichen Leben.

In den kommenden Monaten werde ich sicherlich von vielen exquisiten Erlebnissen zehren können; sei dass das verheerend emotionale Gefühl mit dem Göttibuab auf dem Bauch einen Mittagsschlaf zu machen, das neue Leben der kleinen Schwester zu bestaunen, auf einem Bockerl eine steile Forststrasse runterzubrettern, von schneebeckten Bergen sich einen Überblick zu schaffen, nachdem man während dem Aufstieg sein Inneres zu ordnen versuchte, beziehungsweise den Rücken von Posi Rhymes bestaunen konnte, die viel zu kleine und darum perfekte Tempurmatratze im umgebauten Elternhaus zu geniessen, das Gefühl vor Liebeskummer fast in tausend Stücke gerissen zu werden; an Partys zu feiern in denen vor allem die Rheintaler nicht nur betrunken sind; das Sofa in der ehemaligen Wohngemeinschaft zu surfen, um zu erkennen, dass es nicht mehr wirklich eine Wohngemeinschaft ist, sondern vielmehr die Wohnung eines jungen Paares, aber hald trotzdem noch genauso gemütlich ist; die eigenen Grenzen beim Klettern zu streicheln, obwohl man eigentlich gar nicht so gerne klettert; neue Erfahrungen in einem neuen Arbeitsumfeld zu machen, wo alles für einem getan wird, dass man einen guten Start haben kann; Waragi auf dem Lindenhof zu trinken; von Freunden zu erfahren, die ihr ganzes Können und ihre ganze Zuversicht benötigen, um den von ihnen gewählte Weg ohne Fall zu meistern (aber trotzdem oder gerade desshalb immer für Waragis und vor allem für Mintus begeisterungsfähig sind), festzustellen, dass die ASVZ-Kontrolleure im Leben nie auf das Ablaufdatum der Legi kucken und zu guter letzt das wilde Gefühl eine junge Frau in den Armen zu halten, die so hinreissend ist, dass es einem verunmöglicht einen klaren Gedanken zu fassen. Was mir aber sicherlich aus all den Erlebnissen herausragt, sind die Gespräche mit euch – all die Bier-, Ratgeber-, Lehr-, Männer-, Informationsgespräche mit verdächtig viel Tiefgang (Niveau wäre wohl falsch).

Kurz gesagt, während einer längeren Abwesenheit verändert sich viel, echt Bewährtes kristallisiert sich aber auf eine einzigartig wunderbare Art und Weise heraus. Das Umfeld in dem ich in den nächsten Monaten sein werde, wird sicherlich nicht das Einfachste sein, denn auch in Ruanda hat sich die Welt in der Zwischenzeit weitergedreht. Zudem werde ich nun nicht mehr der in Watte eingepackte Praktikant sein, sondern als richtiger Mitarbeiter Verantwortung übernehmen. Irgendwie ein prickelnder Gedanke. Aber eben: möchte man's einfach, kann man auch einfach einen Monat Ferien in der Schweiz machen...

Mittwoch, 20. Mai 2009

aftermath


Trotz kleineren Krankheiten, Heimweh, überschäumendem Mojo und ein wenig schwierigen Arbeitsbedingungen als in einem Büro in Zentraleuropa schätze ich Ruanda sehr. Ruanda und das CGIS wird mir auch weiterhin eine Zukunft bieten können und ich werde von einem wohlbkannten Softwareunternehmen bezahlt, um dem CGIS noch für weitere Monate mit bestem Wissen und Gewissen als Arbeitskraft zur Verfügung zu stehen. Ich werde am 23.5 nach Hause gehen um Ende Juni wieder nach Kigali zu fliegen um meine „geographische Fadagradi“ weiter zu perfektionieren. Momentan treffe ich mit der Unterstützung von Stefan die administrativen Vorbereitungen zu diesem zweiten Aufenthalt. Damit ist der letzte Beitrag von meiner überaus lebendigen, grammatikalisch korrekten und einzigartig fesselnde Berichterstattung über meine schier unglaublichen Erlebnisse im Land der tausend Hügel noch nicht verfasst. Man darf also gespannt sein was folgt...

Reise durch das Kinderzimmer der Menschheit


Ostafrika ist wunderschön, so viel ist sicher. Ich habe mir den letzen Monat Zeit genommen, um diesen Teil Afrikas, der auch als Geburtsstätte der Menschheit bekannt ist, kennenzulernen. Meine Route beschrieb grob eine grosse Rundtour über Ruanda, Brurundi, Tanzania und wieder zurück nach Ruanda. Die berühmteren Stationen dabei waren Bujumbura, Kigoma, Dar El Salaam, Zanzibar und Arusha.

Nach Bujumbura konnte ich mit Lennarts Familie fahren. Diese hat mich sehr stark an Familie Flodder erinnert. Trotzdem ware die Zeit mit ihnen gemütlich und gelungen. Weiter haben die Eltern von Lennart in ihren jungen Jahren einige Zeit in Bujumbura gelebt. Beim Anblick vom berühmt berüchtigten Strandabschnitt „Sagga Plage“ sind ihnen dann auch die Erlebnisse dort gefeierten Parties in Erinnerung gerufen worden. Bujumbura ist eine wilde Stadt, voller Männern mit Schnellfeuergewehren, Strassenkinder und einem pulsierenden Nachleben. Mir hat es aber nicht gefallen und ich bin so schnell weiter als möglich. Mein nächstes Ziel war Kigoma, welches ich eigentlich über den Tanganikasee erreichen wollte. Leider konnte ich kein Boot finden, dass mich mitnahm. Darum musste ich wohl oder übel mit einem Matatu fahren. Das war seeehr anstrengend und ohne eine alte Sonntagszeitung, die mir Stefan mitgegeben hat, hätte ich warscheindlich aufgegeben. Ich spreche der Sonntagszeitung einen Unterhaltungswert nicht ab, ich benutzte sie allerdings um eine gewisse Knautschzone zwischen meinem Knie und der Vorderbank im doch seeehr engen und sehr gut gefüllten Sammeltaxi zu schaffen. Leider sind auch mit dieser Massnahme meine Knie auf den holperligen Strassen ganz schön blau geworden. Der Grenzübergang zu Tanzania war im totalen Niemandsland. Dieses Neimandsland war aber ziemlich schön anzusehen. Leider wartete auch auf der tanzanischen Seite ein weiteres Matatu. Zeit für einen Strategiewechsel und einem Platz in der Mitte. Auch dieser Bus platze bald aus allen Nähten, auch zu einem Schweitern dieses Ansatzes führte. Weiter mussten wir dauernd an irgenwelchen Checkpoints anhalten und wurden kontrolliert. Ein Polizist hat sich darüber mockiert, dass ich mit meiner afrikanischen Kurzhaarfrisur gar nicht so aussehe wie auf dem Hippieverschnitt-passfoto in meinem Ausweis. Weiter sagte, dass mit dem Ausweis was nicht stimmen könnte, da ich ja nie und nimmer erst 24 sein könne. Nach ein paar Witzeleien und dem Nachfragen nach seinem Premier League Lieblingsverein liess er mich aber gerne wieder in den Bus einsteigen. In Kigoma angekommen, überprüfte ich mal wann denn der Zug nach Dar El Salaam fahren werde. Glücklicherweise kannte ich den Namen des Stationsvorstandes. Ohne diesen Namen hätte ich gar nichts erreicht, denn wie mir später zu Ohren gekommen ist, kann ein Muzungu am Schalter keine Tickets oder nur solche in weiter Zukunft lösen. Nach einem kleinen smalltalk öffnete mir Mr. Logonzibua aber Tür und Tor und ein Erstklassticket nach Dar El Salam befand sich schon bald in meiner Hosentasche. Leider nützt auch das Billett in der Tasche soviel wie eine EC Karte in Ruanda, wenn der Zug Verspätung hat. Gut, Verspätungen bedeuten für einen gestandenen RhB-Veteranen wie mich keine weitere Kalamität, höchstens eine kleinere Auflockerung einer sonst stinknormalen Fahrt. Leider handelt es sich beim der Tanzania Railways Corporation nicht um die „kleine Rote voll in Fahrt“ und bei der Fahrplanabweichung um keine in Stundendimensionen, sondern um eine solche mit einer Tagesdimension. Dadurch konnte ich Kigoma in all seinen Facetten kennenlernen. Mehrheitlich sass ich am Ufer des Sees, ging Schwimmen und versuchte mein Mobiltelefon wieder nutzbar zu machen. Dies ist mir dann nach neu erstanderner SIM-Karte auch gelungen. Der Chef der örtlichen Vodacom-Filiale liess sich es dann auch nicht nehmen, dem Muzungu seine Familie und sein Quartier angemessen vorzustellen. Dieses Quartier ernährt, bekleidet und unterhält er mit seinem Einkommen. Die Verhältnisse sind verheerend ärmlich, trotzdem fand ich es lieb von ihm, dass er mir einen solchen einblick in sein Leben gegeben hat. Nach einer Woche Wartezeit ging meine Zugfahrt dann endlich los. 1350 Kilometer zeigte die erste Markierung an, welche an der Trasséegrenze angebracht war. Das Abteil teilte ich mit einem gestandenen Bahnreisenden der diese Strecke pro Jahr mehrere Male zurücklegt. Es war gut jemanden im Abteil zu haben, der wusste, welche Vorsichtsmasnahmen man gegen Bahnbaditen treffen musste (mein Reisekamerad hatte einmal einen solchen, der durch das Fenster in das Abteil steigen wollte mit eigenen Händen wieder aus diesem rausbefördert), wo man die beste Zwischenverpflegung erhält und wie man die Zeit mit Zuckerrohrstangensaugen totschlagen kann. Nach dreieinhalb Tagen erreichte ich Dar. Dort ist es sehr schön heiss. Trotz Horrorgeschichten über diese Stadt gefiel sie mir. Ich lernte am ersten Abend einen Schweizer kennen, der in Mwanza (Stadt aus dem Film Darwin's Nightmare) arbeitet und gerade Vater geworden ist. Dieses erfreuliche Ereigniss wollten wir entsprechend mit Gerstensaft begiessen zudem wollte Roli warscheindlich von meinen ersten Erfahrungen als Onkel und Götti profitieren. Leider war es im muslimischen Quartier nicht gerade einfach ein Bier zu finden und unsere Route zur Trunkenheit war vom Suchen geprägt wenn nicht sogar überschattet. Am nächsten Tag gings mit leicht sturmem Schädel für ihn mit der Swiss nach Zürich und für mich mit der Sea Star ll nach Zanzibar Town und von dort mit dem Matatu nach Kendwa. Die nächsten Tage waren geprägt von Beachvolleyball, Schnorcheln, tighten Mädels in Bikinis, Bier, Beachboys mit grossem geistigem Entwicklungspotential und einer Hängematte zwischen zwei Kokospalmen. Zanzibar als Feriendestination ist schlicht genial und liess mich Andrea vermissen wie noch nie in den vergangenen Monaten. Nach zwei Tagen in Stone Town flog ich über Dar und Arusha nach Kigali. Die Flieger waren spärlich besetzt (im letzten Flugzeug mit gut 100 Plätzen waren gerade mal 7 besetzt und das inklusive Pilot, Copilot und Cabin Crew,hehe). Die Reise bestätigte mein Bild, dass ich bis jetzt von dieser wunderschönen, spannenden aber auch problembehafteten Region habe. Es hat mir gefallen, ich hatte dort Gspändlis wo's hilfreich war, ich hatte Glück wo ich's brauchte und meine Ruhe wo ich sie nötig hatte.