
Diesen Samstag bin ich von Butare bis nach Burundi gelaufen. Angefangen hat es damit, dass die Leute mit denen ich Volleyspiele angekündigt haben, dass sie dieses Wochenende wandern gehen. In meiner jugendlichen Neugierde habe ich mich auch angemolden, ohne jedoch was von der Ziel der Wanderung zu wissen. Aufgebrochen sind wir um sechs in der früh in Butare. Mitgekommen sind auch ein paar ältere Herren, ein paar aus dem Volleyball, irgendein hohes Tier aus dem ruandischen Militär und Emmanuel (er arbeitet auch am CGIS und er hat mal für die ruandische Nationalmannschaft Volley gespielt). Alle waren angezogen wie wenn sie zum Joggen gehen würden. Niemand ausser mir hatte Wasser, was zu essen, geschweige denn einen Regenschutz, dafür hatten alle ihre beste Trainerhose an. So zottelten wir überpünktlich in Butare los. Wir liefen auf der Hauptstrasse, alle quatschten und waren guter Laune. Es stellte sich heraus, dass das Ziel der 40 Kilometer entfernte Grenzübergang nach Burundi war. Gelaufen sind wir in seeehr zügigem Tempo auf der Hauptstrasse. Tönt ungeeignet, ist es aber nicht. Da die Hauptstrasse (sie verbindet Kigali mit Bujumbura) schön in die Tausend Hügel Ruandas eingebettet liegt sowie viele Kurven und schöne Aussichten bietet. Trotzdem Status als wichtige (bzw. einzige) Verbindungsstrasse sind uns auf dem ganzen Weg nicht mehr als 10 Fahrzeuge begegnet - einfach krass wenn man bedenkt dass wir zirka 6 Stunden. Die Bevölkerung auf dem Land ist mausarm. Tönt blöd ist aber so. Ich fand die Landschaft atemberaubend, aber ein erstes mal wurde es mir vollständig bewusst, dass ich in einem Land arbeite in dem der Grossteil der Bevölkerung wirklich NICHTS hat. Zudem findens sie es ziemlich speziell wenn ein Muzungu ihren Weg kreuzt oder auf einem Pick-Up hockt.
Der Typ der die Wanderung organisiert hat, hat auch ein Restaurant im Kaff am Grenzübergang organisiert. Der Koch hat schon eine Geiss geschlachtet, da diese für das Gericht 5 Stunden kochen muss, nachher in einer leckeren Sauche aus Polenta und Bananen aber ein echter Gaumenschmaus ist (Die Ruander nennen dieses Essen Gysafrya). 2.25 Liter Amstel und 0.7 Liter Amstel-Bock (das es offiziell hald nur in Burundi gibt), hielten die älteren der Herren noch eine Rede. Tja, in dieser haben sie mir angeboten ihrem Club "toutâge" als Ehrenmitglied beizutreten - da ich ja ein Muzungu sei, dem man auch grössere Strapazen zumuten könne und man schon lange Ehrenmitglieder aus anderen Ländern aufnehmen wolle. Ich habe mich geehrt gefühlt. Das alleine genügte allerdings nicht - sie wollten dass ich auch noch ein paar Worte zum Tag zum besten gebe. Das habe ich auch gemacht - jedoch waren Hallo und Danke die einzigen Worte in Kinyarwanda, die ich in meine Rede eingebaut habe (aber die meisten verstehen auch ein paar Brocken Englisch. Französisch als Alternative ist auch nicht in Frage gekommen - aber wegen mir, hehe). Auf der Fahrt nach Butare zurück haben wir auf einem Pick-up bewältigt. Leider sind wir in ein Regenschauer gekommen - konnten aber in einem Dorf unterstehen. Tja - und auch dort wieder - haufenweise Kinder, die mit ihren gelben Kanister (hab mal mit dem Fabrikbesitzer der diese Dinger herstellt ein Bier getrunken, das ist aber eine andere Geschichte) das Regenwasser sammeln oder sich in den Abflussrinnen waschen (weil es ja mal erfrischendes Wasser hat). In Butare angekommen liess sich die Gruppe weitere Biere im "Stammlokal" schmecken. Ich passte aber da ich hundemüde war. Leider ist momentan in Butare ein ziemlich hartnäckiger Stromausfall. Die letzten drei Tage hat es genau gestern Abend 2 Stunden Strom gehabt. Somit war die Dusche ziemlich kühl. Mehr oder weniger graziös bin ich dann mit Lennart ins Chez Gikongoro gelaufen um was z'Nacht zu essen - die haben dort einen eigenen Generator bzw. es gibt warmes essen und elektrisches Licht.
Persönlich gefällt mir Ruanda immernoch sehr. Mit der Arbeit als interessante Beschäftigungtherapie oder wenn man was unternimmt lässt sich auch das Heimweh in Grenzen halten (obwohl ich an manchen Tagen sehr viel dafür geben würde, mich beim Sonntagsabendessen zu Hause von einem Tag auf Skis mit Kabeln zu erholen). Das Leben in Ruanda ist ein gutes, bequemes und einfaches. Die Leute sind freundlich, teilweise ein bisschen überinteressiert (war heute 10 Minuten zu früh an einem Treffpunkt in der Nähe einer Schule - und war in kürzester Zeit von zirka 30 Schülern in Uniform umringt). Zu Schaudern beginnt es einem wenn sie von persönlichen Geschichten aus ihrer Jüngeren Vergangenheit erzählen. Es fällt einem sehr schwer in Worte zu fassen, was ein paar von ihnen erlebt haben. Diese Geschichten sind es auch, die das Leben immernoch mehr oder weniger stark prägen.

