Mittwoch, 11. März 2009

Stippvisite an der burundischen Grenze



Diesen Samstag bin ich von Butare bis nach Burundi gelaufen. Angefangen hat es damit, dass die Leute mit denen ich Volleyspiele angekündigt haben, dass sie dieses Wochenende wandern gehen. In meiner jugendlichen Neugierde habe ich mich auch angemolden, ohne jedoch was von der Ziel der Wanderung zu wissen. Aufgebrochen sind wir um sechs in der früh in Butare. Mitgekommen sind auch ein paar ältere Herren, ein paar aus dem Volleyball, irgendein hohes Tier aus dem ruandischen Militär und Emmanuel (er arbeitet auch am CGIS und er hat mal für die ruandische Nationalmannschaft Volley gespielt). Alle waren angezogen wie wenn sie zum Joggen gehen würden. Niemand ausser mir hatte Wasser, was zu essen, geschweige denn einen Regenschutz, dafür hatten alle ihre beste Trainerhose an. So zottelten wir überpünktlich in Butare los. Wir liefen auf der Hauptstrasse, alle quatschten und waren guter Laune. Es stellte sich heraus, dass das Ziel der 40 Kilometer entfernte Grenzübergang nach Burundi war. Gelaufen sind wir in seeehr zügigem Tempo auf der Hauptstrasse. Tönt ungeeignet, ist es aber nicht. Da die Hauptstrasse (sie verbindet Kigali mit Bujumbura) schön in die Tausend Hügel Ruandas eingebettet liegt sowie viele Kurven und schöne Aussichten bietet. Trotzdem Status als wichtige (bzw. einzige) Verbindungsstrasse sind uns auf dem ganzen Weg nicht mehr als 10 Fahrzeuge begegnet - einfach krass wenn man bedenkt dass wir zirka 6 Stunden. Die Bevölkerung auf dem Land ist mausarm. Tönt blöd ist aber so. Ich fand die Landschaft atemberaubend, aber ein erstes mal wurde es mir vollständig bewusst, dass ich in einem Land arbeite in dem der Grossteil der Bevölkerung wirklich NICHTS hat. Zudem findens sie es ziemlich speziell wenn ein Muzungu ihren Weg kreuzt oder auf einem Pick-Up hockt.
Der Typ der die Wanderung organisiert hat, hat auch ein Restaurant im Kaff am Grenzübergang organisiert. Der Koch hat schon eine Geiss geschlachtet, da diese für das Gericht 5 Stunden kochen muss, nachher in einer leckeren Sauche aus Polenta und Bananen aber ein echter Gaumenschmaus ist (Die Ruander nennen dieses Essen Gysafrya). 2.25 Liter Amstel und 0.7 Liter Amstel-Bock (das es offiziell hald nur in Burundi gibt), hielten die älteren der Herren noch eine Rede. Tja, in dieser haben sie mir angeboten ihrem Club "toutâge" als Ehrenmitglied beizutreten - da ich ja ein Muzungu sei, dem man auch grössere Strapazen zumuten könne und man schon lange Ehrenmitglieder aus anderen Ländern aufnehmen wolle. Ich habe mich geehrt gefühlt. Das alleine genügte allerdings nicht - sie wollten dass ich auch noch ein paar Worte zum Tag zum besten gebe. Das habe ich auch gemacht - jedoch waren Hallo und Danke die einzigen Worte in Kinyarwanda, die ich in meine Rede eingebaut habe (aber die meisten verstehen auch ein paar Brocken Englisch. Französisch als Alternative ist auch nicht in Frage gekommen - aber wegen mir, hehe). Auf der Fahrt nach Butare zurück haben wir auf einem Pick-up bewältigt. Leider sind wir in ein Regenschauer gekommen - konnten aber in einem Dorf unterstehen. Tja - und auch dort wieder - haufenweise Kinder, die mit ihren gelben Kanister (hab mal mit dem Fabrikbesitzer der diese Dinger herstellt ein Bier getrunken, das ist aber eine andere Geschichte) das Regenwasser sammeln oder sich in den Abflussrinnen waschen (weil es ja mal erfrischendes Wasser hat). In Butare angekommen liess sich die Gruppe weitere Biere im "Stammlokal" schmecken. Ich passte aber da ich hundemüde war. Leider ist momentan in Butare ein ziemlich hartnäckiger Stromausfall. Die letzten drei Tage hat es genau gestern Abend 2 Stunden Strom gehabt. Somit war die Dusche ziemlich kühl. Mehr oder weniger graziös bin ich dann mit Lennart ins Chez Gikongoro gelaufen um was z'Nacht zu essen - die haben dort einen eigenen Generator bzw. es gibt warmes essen und elektrisches Licht.

Persönlich gefällt mir Ruanda immernoch sehr. Mit der Arbeit als interessante Beschäftigungtherapie oder wenn man was unternimmt lässt sich auch das Heimweh in Grenzen halten (obwohl ich an manchen Tagen sehr viel dafür geben würde, mich beim Sonntagsabendessen zu Hause von einem Tag auf Skis mit Kabeln zu erholen). Das Leben in Ruanda ist ein gutes, bequemes und einfaches. Die Leute sind freundlich, teilweise ein bisschen überinteressiert (war heute 10 Minuten zu früh an einem Treffpunkt in der Nähe einer Schule - und war in kürzester Zeit von zirka 30 Schülern in Uniform umringt). Zu Schaudern beginnt es einem wenn sie von persönlichen Geschichten aus ihrer Jüngeren Vergangenheit erzählen. Es fällt einem sehr schwer in Worte zu fassen, was ein paar von ihnen erlebt haben. Diese Geschichten sind es auch, die das Leben immernoch mehr oder weniger stark prägen.

Dienstag, 10. März 2009

Regen und ein 4sternhotel im Rohbau



Am nächsten Morgen hat es stark geregnet. Das verwandelt die Lehmstrassen in rutschige und schlammige Flächen. Darum habe ich mir meine Flipflops angezogen und die Turnschuhe in die Hand genommen. Nach etwa 20 Meter bin ich dann auch schon Schienbeintief im Matsch gestanden. Natürlich hatte ich dann zuwenig Grip in den Flipflops und bin auf Barfuss umgestiegen - und das hat natürlich den Ruandern gefallen. Einen Weissen der barfuss durch Kigali läuft liess auf manchen Gesichtern ein breites Grinsen entstehen. Da die Ruander während eines Regengusses Wasser von den Dächern mit Kesseln sammeln habe ich dann bei der nächstbesten Gelegenheit auf so einen Kessel gedeutet und begonnen meine Füsse zu Waschen. Sofort sind 2 junge Frauen zu mir gekommen die mir geholfen haben mich zu waschen. Sie fanden es total lustig, dass ich mein 48 nicht mal in den Kessel passt. Es hat sich dann auch ziemlich schnell einen interessierten Kreis von anderen Passanten um mich gebildet. Tja, ein Umuzungu der seine Füsse in einem Plastikkessel wäscht ist schon etwas Spezielles. Trotzdem...die Ruander sind in solchen Situationen zwar ein bisschen überinteressiert, aber auch sehr hilfsbereit.

Den Rest des Tages habe ich mit Stefan verbracht. Wir sind fein Essen gegangen und haben per Zufall einen Kollegen von ihm getroffen. Dieser hat von seinem Vater (einem reichen Immobilien und Restaurantbesitzer) den Auftrag erhalten Grossbritannien zu verlassen und in Kigali ein 4-Sternhotel zu bauen. Damals war er Neunzehn. Er konnte kein Kyniarwanda, wusste nicht wie man "baut", hatte kein Grundstück und keine Arbeiter. Heute ist das Hotel an bester Lage (Neben dem Haus des Schwedischen Botschafters) fast fertig. Die Aussicht über Kigali ist super - das Haus weist jedoch ein paar Kinderkrankheiten und Planungsfehler auf. Zudem merkt man, dass es von einem Jugendlichen gebaut wurde. Der Nachtclub, der Kraftraum und das Irish-Pup sind riesig- von der Sauna aus fällt man praktisch in den Swimmingpool und der Rest der per ORTPN-Definition ein 4-Sternhotel aufweisen muss ist einfach auf einen Stock gedrängt worden und ist ziemlich eng ausgefallen.

the wild



Ein weiterer Nationalpark in Ruanda ist der Akagera-Nationalpark. Er liegt ganz im Osten des Landes an der Grenze zu Tansania. Obschon er flächenmässig und mit seinen Besucherzahlen nicht mit den grossen Parks dieses Nachbarlandes mithalten kann, ist ein Besuch durchaus empfehlenswert, da man sicher abseits von Touristenströmen sein wird. Allein schon die Hinfahrt ist ein rechtes Unterfangen vor allem wenn man es wie ich macht und während eines umganda (Fronarbeitstag: Die Ruander dürfen nicht Autofahren und sind beschäftigt mit Fronarbeit oder damit sich davor zu drücken) dorthin fährt.

Mit einem geliehenen Fahrzeug gings dann auf die ca. 2.5 stündige fahrt in Richtung Kayonza District. Auch im Park fährt man mit dem "eigenen" Auto. Andere Besucher hat es wenige bis gar keine. Das Wetter war schön und wir sahen ziemlich viele Viecher. Elefanten, Masai-Giraffen, Paviane, Topis, Wasserbüffel, Bushbugs, Nilpferde, Zebras, Impalas, Fischadler, jeenes Affen und Vögel und noch diverse andere Antilopenarten. Ich bin die ganze Zeit auf dem Ersatzrad das an der Hintertür befestigt ist gesessen und hatte einen riesen Ausblick über die ganze Szenerie. Der Guide liess uns sogar aus dem Wagen aussteigen und ein wenig umherlaufen um mit einem Giraffen auf Tuchfühlung zu kommen, was den thrill natürlich noch ein bischen vergrössern konnte.

Den Tag haben wir an einem See an der Grenze zu Uguanda ausklingen lassen - verheerend schön. Ein feines Essen, Bier, ein Sonnenuntergang, unter einem Baum liegen in dem Webervögel ihre kunstvollen Nester bauen - jeenes schön.