Montag, 10. August 2009

Partypanzer goes Erstaugustfeier



Ist man in anderen Ländern, lernt man sich auch selbst von einer ganz anderen Seite kennen. Die einzige Erstaugustfeier, die ich bis jetzt mit meiner Anwesenheit beehrt habe, waren antipatriotische Festivitäten in der Box und "Füürwerkluagavumbergaba". Doch es gibt sie wieder erwarten doch, die fast so perfekt organisierten Erstaugustpartys auf der anderen Seite des Grüenbödeli. Eine davon ist diejenige des schweizer Konsulates in Kigali, zudem ich mich in der letzten Woche eingeladen habe. Wir werden in Ruanda ziemlich gut von vertreten vom schweizer Konsul und seiner Frau und natürlich diversen Girlanden, Lampions und Flaggen. Die Gedanken des semi-international tönenden Bundespräsidenten primus inter pares aka HRM aka "fronsä federal", der Schweizerpsalm bei dem niemand aufgestanden ist oder gesungen hat (also auch ein bisschen ein antipatriotisches Fest, das hätten also die Pöngger von Davos nicht besser hingekriegt) und nicht zuletzt die gestochenscharf in Szene gesetzten Bilder von Schweiz Tourismus kratzten ein bisschen die verheilten Heimwehwunden auf. Bratwürste, Cervelats, Herdöpfelsalat, Käse, Toblerone und Basler Läckerli beschwichtigten dieses Gefühl aber sogleich wieder. Ratet mal wie viel mal ich nachschöpfen gegangen bin? Auch die Kehle konnte man mit bekannten Schweizer Weinen anfeuchten. Nur das "heimische" Bier wurde durch südhemisphärisches ersetzt. Schgandal. Ich bin bei einer Familie gesessen, die für das DEZA arbeiten. Dann wurde ich noch von einem Journalisten interviewt. Seine beste Frage war, warum ich die Party so gelungen fand: Meine vor Lokalpatriotismus triefende Antwort war: Weil ich es wunderbar abenteuerlich finde die Bündnerfahne über den Lichtern von Kigali wehen zu sehen. Ha, das hätten selbst die Werbetexter von Graubündenferien nicht besser hingekriegt. Diese sehr geschickt formulierte Antwort wurde dann leider von einer Frage gefolgt, die ein Tabuthema ansprach, da er fragte ob ich alleine hier sei. Doch auch für diese aufgekratze Wunde fand ich sogleich ein wenig Linderung bei einem biersehligen Tischgespräch.

Von Samuels Schiesskeller und Autocorsos



Volleyball ist der Nationalsport von Ruanda (Skyline der Hauptstadt im kleinen Bild, gefunden im National Geographic Altpapier). Ein klares Statement, das aber nur ein kleiner Protzentsatz der Ruander unterschreiben würde. Warum dass?- Man führe sich mal das Idealbild eines Volleyballer vor Augen: Einer der entscheiden Faktoren sind die Körpergrösse, nicht zu füllig, weil sonst ist man zu langsam um 2 mal pro Angriff zu Blocken oder hald eine solide Abnahme hinter dem Ball zu machen. Grosse Angreifer greifen hald auch höher an, oder stellen einen ebenso hohen Block. In Ruanda wurden/werden Leute unter anderem fälschlicher Weise gemäss Körpergrosse voneinander abgegrenzt. Seit 94 stellt diese grössere Bevölkerungsgruppe, die anzahlmässig die Kleinere ist (Grüazi, min Nama ich kurz, i haissa Lang) die Regierung. Tendenziell ist es auch so, dass eher bildungsnahe Schichten gross sind. Oft sind politische Entscheidungsträger aus diesem Bildungsbürgertum, folglich befindet sich vor dem Büro des Premierministers ein Volleyballplatz (für weitere Ausführungen dieser Art ist dieser Blog nicht die richtige Plattform, es ist aber bedenklich, wenn man sieht wie diese Abgrenzung auch heute noch überall unterschwellig mitschwingt). Zurück zum Büro des Premierministers: Jeder kann Reinspazieren um zu spielen. Klingt komisch, ist aber so. Cool, nicht? Dass wär wie wenn wir in Pascals Weinkeller einen Weissen schlürfen gehen könnten oder in Samuels Schiesskeller unser Obligatorisch schiessen gehen oder uns unter der Aufsicht von Herrn Leuenbergers Frau ein Tatoo stechen könnten. Nicht auszudenken was ein Hodler-Fan tun könnte, wenn die Schweiz Ruanda wär...einach crazy...
Fussball ist in Ruanda jedoch eher massentauglich und vor und nach diesen sportlichen Grossereignissen, sind die zum Stadion führenden Strassen verstopft. Manchmal wird sogar versucht ein Autocorso zu machen. Das hingegen scheitert dann wieder an der zu geringen Fahrzeugdichte, bzw. kann man das Hupen wegen Fussball schlecht vom Hupen wegen Überholen bzw. Hupen wegen freien Plätzen im Matatu bzw. Hupen wegen weils schön tönt bzw. Hupen wegen ich fahr mal auf die Kreuzung, unterscheiden.