Freitag, 25. September 2009

klettern gehen


Ich habe vor ein paar Wochen meine Kletterausrüstung in der Schweiz bestellt, da ich ein Mädel kennengelernt habe, die jemanden kennt, der klettert. Dieser jemand ist ein schusseliger, freidenkender, pädagogisch hippiähnlich handelnder, ehemaliger medecin sans frontiere (in seinem Fall wohl treffender sans direction). Er ist ein völlig zerstreuter, aber unglaublich sportlicher Familienvater, der eine unglaubliche Leidenschaft für Afrika, seine Familie, Klettern und Tennis besitzt. An seinem Haus hat er eine ganze Boulderwand eingerichtet (die leider für meine bescheidenen skills ein wenig zu schwierig ist). Die kletterspots sucht er sich aus den Topo-Maps aus dem Jahr 1988 auf denen man Felszeichnungen so vergebens sucht, wie unter 700 cand lic jus jemanden, der das Fach aus Interesse studiert. So sind wir (Srait, crazy Ruander der etwa eine Trillion Sportarten betreibt, Courtney, die soviel Muskeln hat, wie ruandische Dörfer Kinder, eine Kollegin von ihr, auf deren Rücken sich nicht weniger Muskelpäcklein befinden, Ludwig, der medecin sans direction und ich) im Pickup richtung Gitarama gebleifusst. Nach 30 minütigem Höllenritt über die Hauptstrasse und 20 Minütigem Holperritt über eine Strasse mit metertiefen Schlaglöcher sind wir vor einer Felswand gestanden, die sich sehen lassen kann. Ludwig richtete drei Routen mit topropes ein an denen man danach klettern konnte. Diese Routen waren wild, sie gingen an einem Rabennest vorbei (mit Jungen darin) und einem Hornissennest. Schon bald bildete sich an diesem verflucht steilen Abhang eine schaulustige Menge von ein bisschen verlausten Kinder. Das war wild. Man konnte keine Bewegung machen ohne nicht von rund 40 Augenpaaren beobachtet zu werden. Warscheinlich sind sie fast durchgedreht, als wir mit Essen begonnen haben (afrikanische Kinder auf dem Land haben IMMER Hunger). So süss wie die auch ausgesehen haben, mit der Zeit gingen sie mir auf den Sack, da sie nicht still sein konnten und zum Teil gefährlich nahe an der sichernden Person gestanden sind. Leider waren die Routen auch eine bisschen schwierig für mich, und ich konnte eigentlich nur eine meistern. Die atemberaubende Aussicht und die einfach groteske Szene mit den vielen Kinder, die uns einfach unentwegt angestarrt haben machte den Tag aber trotz schmaler Kletterleistung unvergesslich.

Montag, 21. September 2009

kwita izina


An traditionellen Traditionen beiwohnen zu dürfen ist für einen Muzungu etwas Schönes, es gibt einem ganz Klar das Gefühl dazuzugehören. Vor knapp 5 Wochen kam Immacule's und Eugène's Poppi zur Welt. Ruandische Tradion ist es, das Neuegeborene der Gesellschaft nach acht Tagen auf der Welt "vorzustellen". Dabei spielt auch dessen künftige peer-group, also alle Kinder aus der Nachbarschaft eine wichtige Rolle. Sie sind es nämlich, die gemäss Tradition die Namensgebung vollziehen oder besser gesagt der Mutter Namen vorschlagen, von denen dann die Eltern den Besten auswählen. Traditionell ist das Elternpaar dafür verantwortlich, dass die Kinder gut und in einer fixen Abfolge speziell bewirtschaftet werden. Wie auch bei den schnupfenden Jodler in der Schweiz sind Traditionen von modernen Errungenschaften der Zivilisation geprägt und so war das Fest bald in den Händen von einem Haufen vom fantaschen'Zuckerschock überdrehten Kindern. Ein wenig Disziplin wurde jedoch von allen verlangt, als man zu eigentlichen Namensgebung geschritten ist. Jeder setzt sich neben das frischgebackene Mami und verkündete voller Stolz den Namen der in seinen Augen cool tönt. Die Mutter wiedeholte diesen Namen laut, das Publikum machte aaaa, oooo, eeee oder schmunzelte und der Vater machte sich Notzen, die er schliesslich mit seiner Frau bespricht. Resultat des ganzen Prozedere war der Name "Owen Neza Kayijamahe". Nicht wirklich einer der vorgeschlagenen Namen, aber einer der vor allem dem unglaublich stolzen Eugène verheerend gut gefällt.

Ruanda ist seit der kwita izina von Owen endlich wieder in der Regenzeit. Die Temperaturen sind deutlich gesunken und die Strassen fast schon autobahnähnlich flachgepresst. So werden nicht nur die ruandischen Kinderstuben mit neuem Leben erfüllt, sondern auch die in der Zwischenzeit sehr braunen Hügel Ruandas.