
Ist man in anderen Ländern, lernt man sich auch selbst von einer ganz anderen Seite kennen. Die einzige Erstaugustfeier, die ich bis jetzt mit meiner Anwesenheit beehrt habe, waren antipatriotische Festivitäten in der Box und "Füürwerkluagavumbergaba". Doch es gibt sie wieder erwarten doch, die fast so perfekt organisierten Erstaugustpartys auf der anderen Seite des Grüenbödeli. Eine davon ist diejenige des schweizer Konsulates in Kigali, zudem ich mich in der letzten Woche eingeladen habe. Wir werden in Ruanda ziemlich gut von vertreten vom schweizer Konsul und seiner Frau und natürlich diversen Girlanden, Lampions und Flaggen. Die Gedanken des semi-international tönenden Bundespräsidenten primus inter pares aka HRM aka "fronsä federal", der Schweizerpsalm bei dem niemand aufgestanden ist oder gesungen hat (also auch ein bisschen ein antipatriotisches Fest, das hätten also die Pöngger von Davos nicht besser hingekriegt) und nicht zuletzt die gestochenscharf in Szene gesetzten Bilder von Schweiz Tourismus kratzten ein bisschen die verheilten Heimwehwunden auf. Bratwürste, Cervelats, Herdöpfelsalat, Käse, Toblerone und Basler Läckerli beschwichtigten dieses Gefühl aber sogleich wieder. Ratet mal wie viel mal ich nachschöpfen gegangen bin? Auch die Kehle konnte man mit bekannten Schweizer Weinen anfeuchten. Nur das "heimische" Bier wurde durch südhemisphärisches ersetzt. Schgandal. Ich bin bei einer Familie gesessen, die für das DEZA arbeiten. Dann wurde ich noch von einem Journalisten interviewt. Seine beste Frage war, warum ich die Party so gelungen fand: Meine vor Lokalpatriotismus triefende Antwort war: Weil ich es wunderbar abenteuerlich finde die Bündnerfahne über den Lichtern von Kigali wehen zu sehen. Ha, das hätten selbst die Werbetexter von Graubündenferien nicht besser hingekriegt. Diese sehr geschickt formulierte Antwort wurde dann leider von einer Frage gefolgt, die ein Tabuthema ansprach, da er fragte ob ich alleine hier sei. Doch auch für diese aufgekratze Wunde fand ich sogleich ein wenig Linderung bei einem biersehligen Tischgespräch.
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