Sonntag, 17. Oktober 2010

Gastblog


Schreiben macht Spass. Schreibblockaden hervorgerufen durch "Schreiben müssen, da Text geschuldet" zu durchbrechen noch mehr. Unten mein Gastblog für Rapha. Der Text ist als Satire zu verstehen.


Vorwort und Dank

Einen Gastblog auf Kanyarwandas Blog zu popeln ist ja schon etwas Spezielles. Egal wie viel man den Artikel editiert, an Fromulierungen feilt und Assotiatonen versucht im Leser zu wecken; an Kanyarwandas im Subtext mitschwingendes und darum liebenswertes Posertum, die prägnant formulierten „Insight Views“ und die einfach gefassten, nachvollziebaren Gedankengänge bleiben unerreicht. Darum erhebe ich diesen Anspruch hier nicht, sondern tilge mit diesem Post eine längst überfällige Schuld bei einem inshuti, der mich Ruanda intensiver erleben liess und mit dem ich hoffentlich noch den Einen oder Anderen biersehligen Abend verbringen darf. Notiz an mich: Hier Gesülze über wie geil die Zeit in Ruanda mit Rapha, wie billig die Nutten und das Bier, wie gross die Brüste von Shy.. und wie schön die Landschaft und die WM waren einfügen, eingestreute Kinyarwandaausdrücke täuschen Autenzität und Integriertheit vor....

Intro

Auf politische Korrektheit wird im Post, wie der geneigte Leser bereits bemerkt hat, koplett verzichtet, dafür sollen umsomehr prolliger Humor und Kraftausdrücke verwendet werden. Dieser Blogpost soll natürlich nicht nur extrem viele Hints und Flaterpunkte erzeugen, nein er soll auch dazu dienen, Personen die nicht wie Kanyarwanda und ich die Gelegenheit hatten, ein grosses Opfer auf dem „Altar der Weltverbesserung in Ruanda“ zu erbringen, einen „Short Guide to the Expat Life in Ruanda“ geben. Es soll also Neuankömmlingen in Ruanda helfen, sich in der Szene von Kigali stilsicher und effizient zu bewegen. Der hohe Informationsgehalt wird durch eine einfache Klassifikation und Deskription der wichtigsten in Ruanda vorkommenden Abazungu-Klassen erreicht. Weiter können Ruandaveteranen sich gerne selber einordnen beziehungsweise Position der eigenen Gattung finden. Das vorliegende Dokument ist zudem die erste Kigali Edition. Es wurde von Claude Mamauee, einem meiner vielen Gostwriter, aus dem Sweizerdeutsch in einem dem Schriftdeutsch änlichen Sprache, übersetzt.

Endlich Inhalt

Glaubt man einschlägigen Newsgruppen (http://groups.yahoo.com/group/kigalilife/messages), dann sind die Expats (ein Expat, ausgesprochen eexpät, kurzform für Expatriate, Küddi der als internationale Fachkraft, von einem international tätigen Unternehmen, bei dem sie beschäftigt ist, vorübergehend – meist 1 -3 Jahre, an eine ausländische Zweigstelle entsandt wird. Meist sind es Leute, die sich im Gastland nicht assimilieren und nach Erfüllen ihrer Aufgabe, wieder in ihr Heimatland zurückziehen und auch ein Leben dort anstreben)
SUV kaufende, verkaufende und fahrende Menschen, die Yogakurse besuche und versuchen nach dem Verlassen des „Landes der tausend Parteifunktionären“ den lieben Wächter oder den teuren Kühlschrank an die weisse Nachfolgerschaft abzutreten. In Ruanda sind dies Personen aus Nordamerika und Europa, seltener China oder Indien.
Doch ist diese Gesellschaft denn wirklich so einfältig bzw. lässt sie sich so einfach charakterisieren? Ich denke nein und um das wirklich komplexe System der Kigali-Expat-Szene auf eine Art und Weise fassbar zu machen, habe ich sie versucht zu klassieren. Die Reihenfolge meiner Klassen hat nichts mit ihrer Auftretenswarscheinlichkeit zu tun. Starten wollen wir mit der Klassifikation des schöneren Geschlechtes, den weissen Männern:

Männer:

Der klassische Adventuretyp. Er trägt ein kakifarbenes Gilet das extrem viele Taschen hat und hat ein Büchlein in dem die essbaren Pflanzen von Ostafrika zu finden sind. Einen Scan seines Passes/Visas hat er auf seinen Email Account hochgeladen. Sein löchriger Dreitagebart versprüht Expedition Robinson Charme. Es kann sein dass er im Land arbeitet, wahrscheinlich ist er aber auf Durchreise. Falls er nicht vom Reisen erzählt ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass er ein Missionar ist (siehe weiter unten). Exemplare die völlig in ihrer Rolle aufgehen, setzten sich einen Hut mit Krempe auf und ziehren die Hüfte mit einer langen, aufgerollten Peitsche. Die gemeine Form des klassischen Adventuretyp hat allerdings einfach einmal den Trailer von Hotel Rwanda gesehen und macht darum hier „Ferien“. Das Durchschnittsalter ist Zwischen 30 – 42.

Der Consultant. Oft nur < 1 Woche im Land, er bewegt sich tendenziell eher ruckartig und schmeisst beim Aufstehen schon mal seinen weissen Plastikstühle um, auf dem er gerade gesessen hat, um sich danach einfühlsam auf Englisch bei den Tischnachbaren zu entschuldigen. Er hat einen Tender eines Ministeriums gewonnen und setzt jetzt das Projekt um. Lokaler Staff hat er auch, weil ihn ein sympathischer Flughafentaxifahrer in Kigali City für viel zu viel Geld rumkutschiert. Seine Frau geht in Yogakurse, jedoch in Europa oder den USA. Manchmal lebt er den daraus resultierende Fakt des Strohwittwertums mit jeder Faser seines Körpers. Bei der Frage, wie lang man denn schon im Land sei, erntet man schiefe Blicke, wenn man eine Zahl sagt die 30 Tage überschreitet. Tendenziell koordinert er ein Projekt auch nur, im besten Fall „supervised“ er es.

Der weisse Grossverdiener. Schwierig zu beschreiben, oft auf erst auf den zweiten Blick sympathisch, oft zudem verdammt schlau. Er arbeitet für auswärtige Ämter oder für die Weltbank. Sie sind liiert mit Frauen die definitiv Yogastunden besuchen (und wahrscheinlich auch viel Zeit haben entsprechende newsgoup Beiträge zu verfassen). Falls sie Kinder haben werden diese von der Ehefrau oder vom Fahren in die Ecole Bélge gefahren. Darum ist es gut den Studenplan dieser Schule zu kennen. Nach dem Schlussgong sind nämlich die Strassen um die Schule mit SUVs verstopft. Ihre Nester werden von Wächter in Uniform bewacht, die exakt 375 mal weniger verdienen. Er führt gelernten smalltalk und verbringt verdammt viel Zeit damit auswärts zu essen. Diese Art Expat prägt Ruanda schon seit Jahrzehnten. Noch ein wenig länger im Land ist die nächste Gruppe.

Der Missionar:
Frische Seelen gibt’s im dichtbevölkertsten Land Afrikas viele, somit auch viel Arbeit. Das Ziel ist Klar, die Methode unterschiedlich und der Erfolg erstaunlich. Mehr gibt’s nicht zu sagen ausser, dass diese Gruppe gross und einflussreich ist und überdurchschnittlich oft Heckantrieb hat (wend waisch wasi main (schweizerdeutsch für: wenn du weisst, was ich meine)).

Der Musenhalter:
Musenhalter, sind meinst Männer mittleren Alters, die sich 2 manchmal auch 3 überaus attraktive ruandische Mädels halten. Extremformen dieser Erscheinung wohnen gleich mit 3 Musen in einem grosszügigen Appartement zusammen, wo die Musen in allen erdenklichen Disziplinen performen und überzeugen können. Je nach Musenrolle und Dauer derselbigen kann es sein, dass eine Muse Yogastunden nimmt oder es man ihr nahe legt, sich zu überlegen eventuell nicht doch Yogastunden zu nehmen. Ein berühmter Schweizer Autor beschreibt diese Gattung Expat Männer in seinem must read Ruanda Buch sehr treffend (Link 100 Tage). Oft ist es diese Art Männer, die aber auch wirklich Ruanda lebt, Kinyarwanda sprechen können, wissen wie man Hühner tötet und wissen wie viele Male man Bohnen pro Jahr ernten kann. Dieses Wissen kommt aber nicht aus irgendeinem kartitativen Gedanken. Nein, sie machen dass einzig und allein dem wegen dem Interesse an den Ärschen der Musen.

Kommen wir nun zur Klassierung des stärkeren Geschlechts, den Damen

Die mysteriöse Unbekannte.
Diejenigen, von denen ich noch immer nicht herausgefunden habe, warum sie in Ruanda sind. Sympatieentwicklung für diese Gattung ist sicher nicht verkehrt, da sie nicht die negativen Eigenschaften der unten aufgeführten Gruppen verbindet und das Unbekannte manchmal reizt. Oft bleibt aber ungeklärt, was sie in Ruanda wirklich macht und was sie hierhält. Sie haben keine ruandischen Partner, keine hochbezahlten Jobs, nehmen oft nicht einmal Yogastunden. Ihr Verhältnis zu SVU’s ist ambivalent und auch die Zugehörigkeit einer Kirche lässt sich nicht beim dritten Satz erkennen. Wenn es einem nichts ausmacht, niemals alles über sein Gegenüber in Erfahrung zu bringen, dann ist dass definitiv die richtige Gesprächspartnerin für einen Nachmittag an einem Pool in Kigali.

How to tune your CV lady – aka Thechnically never there aka I have to change my facebookstatus – now.
Diese Mädels sind was für sich. Es kann vorkommen, dass sie Virunga für eine Ruandische Folkloreband halten. Man erkennt sie daran, dass sie sich an den Hüften oder am Bauch der Taxi-Moto fahrer halten, konstant Englisch antworten, grosse Ohrringe tragen, ein faible für Indianerkostüme besitzen. Der Gewinn, der aus ihrer Hilfe resultiert ist verhältnismässig marginal.

„When you go black you never go back – gritta” (= gritli = schweizerdeutsch für ein ein bisschen naives Weibsbild), nachfolgend WYGBYNGB – gritten genannt. Unterteilen kann man sie in 2 nicht miteinander verwandte Stufen: Stufe unheilbar und Stufe heimlifeist (heimlifeist = Schweizerdeutsch für hinterhältig). Die Permeabilität zwischen den Gruppen ist inexistent. Die unheilbare Stufe zu erkennen fällt dem geneigten Leser relativ einfach: Sie ist in ein buntes Etwas gehüllt, daherflippfloppend, Tendenz zu minimalem Übergewicht (ob sie Yogastunden besuchen weiss ich nicht, ich vermute es jedoch). Oft trifft man dieses Exemplar Hand in Hand mit Partner an einem Umuganda dahinflanierend, das Flugticket nach Europa ist gebucht und die Hochzeit geplant, die Liebe ist für immer und in eine steile Lateritstrasse gemeisselt. Diese Status erreicht, geniesst diese Gattung die nächsten 2 Wochen vor ihrem Ablug in Ruanda.

Äusserlich nichts gemeinsam (bis auf die Männerpräferenz) hat sie mit der von Fachkreisen WYGBYNGB-griten, Stufe heimlifeist genannten weissen Frau. Ein solches Exemplar zu erkennen, benötigt schon einen extremen Kennerblick, den man sich nur über Jahre aneignen kann. Es gibt auch Leute die diese Klasse beim Vorübergehen erkennen, das ist jedoch eine sehr seltene Gabe, auf die der damit Gesegnete oft nicht besonders stolz sind. Besitzt ein Mann dieses Gabe erhöht sie seine relative Fitness enorm bzw. versieht sie ihn in Ruanda mit einem entscheidenden Selektionsvorteil.
Kommt es zu einer Partnerwahl trifft die Gritte dieses Typs immer die gleiche Entscheidung, ganz egal wie schleimig der Typ, wie gross dessen Pirelli und wie plump die Anmache ist. (Und wenn ich schleimig meine und Pirelli sage, dann meine ich nicht eine Aussage wie „you häf biuitiful ais“ und ein sich leise abzeichnendes Bäuchlein, neeein dann meine ich eine Hackfresse, die metrosexuell intonierte, im innern einer Mordswampe erzeugten Grunzlaute von sich gibt, die sich nach mehrmaligen Überlegen in ein Kompliment wie „gaili titta, witsch bumsa" (Schweizerdeutsch für: Sie sind gesegnet mit wunderschönenen sekundären Geschlechtsmerkmalen, die mich die Möglichkeit in Betracht ziehen lassen, den Wunsch zu äussern, mit ihnen schlafen zu wollen) übersetzen lässt. Für die Gritte dieses Typs ist es der Weg, sich vollständig in die afrikanische Gesellschaft zu integrieren, zu der sie oft auch schon ohne eine oder mehrere Lover einen guten Zugang hat. Integration ist ihr äusserst wichtig – definitiv. Ein verstecktes Merkmal: WYGBYNGB-griten, Stufe heimlifeist, tauscht sich nicht über gemeine expat Kanäle aus (und hat darum auch keine Ahnung von Yoga), weiss aber trotzdem was abgeht, sie kennen in den Restaurants 99,954318% aller Anwesenden. Sie wissen alles über Afrika. Und wenn ich „alles“ schreibe ist’s nicht halbwahres, triviales, unwissenschaftliches „lonelyplanet-wissen„ wie dass man in Äthiopien mit der Linken Hand ist. Nein, diese Gattung kennt den Fahrer des dritten unehelichen Sohns von Laurent N. persönlich, sie trägt ihren Rucksack auf dem Kopf und sie kann dir im Schlaf die letzten 30 Präsidenten von Ghana rückwärtsbuchstabieren während sie ein Kurzreferat über die verschiedenen Maniokzubereitungsarten geben kann. Und das Beste: Ihr Sohn wird mal Dieudonne heissen.

Volontärinnen,
könnten müssen aber auch nicht der Gruppe Gritten zugeordnet werden, generell sind sie aber eine Untergruppe der Weltverbesserinnen (auf die hier nicht weiter eingegangen wird). Die Unterschiedlichkeit ihrer Ausprägung könnte nicht unterschiedlicher sein. Die meisten von ihnen haben mal ein Praktikum auf der „Sea Shepard“ (Link Whale Wars) gemacht und ernähren sich vegetarisch, können innerhalb von 3 Stunden eine Jurte aufstellen und Stricken sich ihre Unterwäsche selbst. Oft haben sie einen ausgeprägten Sinn dafür, was richtig ist. Auf grau formulierte Statements in ihrer Schwarz – weiss Welt wartet man mitunter so lange, wie wenn man auf der RRA Steuern zahlen geht. Es gibt welche, die ihre Zeit in der Fremde einfach absitzen und welche die je nach Qualität ihres Programms in dem sie arbeiten, ganz schön viel mitnehmen oder bewirken. Über den Nutzen für das Gastgeberland lässt sich streiten, nicht jedoch für den persönlichen Nutzen der Volontärin. Diese Nutzt nämlich die Zeit für sich intensiv, entwickelt eine bewunderswerte Idee, was in ihrem Leben noch zu erreichen ist, sie ist engagiert, kritisch denkend. Exemplare die keine Idee davon haben, was nach ihrem Freiwillgendienst zu tun ist, findet man nicht.

Die weibliche Form des Missionars, das sogenannte gemeine Sektengroupie. Eine der charakterlich verschobensten Expats, die man in Kigali zu Gesicht bekommt. Sie sind verliebt in Gott und haben die Chance die Liebe von Gott in Ruanda zu erfahren. Meist haben sie kein Geld, wenig Auslanderfahrung und keinen Plan was zu machen ist. In 2 – 3 Jahren ist die Gehirnwäsche vollständig abgeschlossen, Sätze mit einem Sinn sind nun definitiv Geschichte und sie können perfekt in Uncle Daves Cult eingesetzt werden (Link Postal). Oft sitzen sie mit ihren Kolleginnen, den „how to tune your CV-ladies“ tagelang im Burbon rum und surfen auf Facebook.

SIBIO?

Donnerstag, 17. Juni 2010

Matatu fahren

Es gib Leute die finden Ruanda oder spezifischer Kigali langweilig. „Es gibt nichts zu tun, kein kulturelles Angebot et cetera“. Auch ich habe mich mal beklagt, dass ich den Sportarten von zu Hause nicht mehr nachgehen kann. Ich habe darum lernen müssen, dass man seine eigene Unterhaltung beziehungsweise seine Freizeit zu einem sehr grossen Grad selbst gestalten muss. Von der Umsetzung einer Bieridee „Projekt Matatu“ von meinem inshuti umudagi und mir berichtet der Artikel auf Rapha’s Blog. Dabei wollten wir, wie im Artikel beschrieben, einen Tag Lang Motocar-Crew die Strecke Centre Ville - Nyamirambo bedienend Amafaranga-Millionäre werden – und damit gleichzeitig erste Erfahrungen im ostafrikanischen „Transportation Business“ sammeln. Webcam und GPS sollten via daten-stream Aufschluss über die momentane Position, sowie über das Platzangebot im Bus geben. Gäste sollten nach RURA Normen zu Kasse gebeten werde. Das damit verdiente Geld sollte dann später im Sphinx Belairi in Kamatamu verprasst werden. Soviel zur Idee: mehr zur Umsetzung findet ihr hier.

Dienstag, 11. Mai 2010

ma heds nid liacht...

...aber liacht heds aim. Dieser Beitrag ist der verzweifelte Versuch wieder zur Regelmässigkeit der ursprünglichen Blogfrequenz zurückzukehren. Der Beitrag gibt in Konzentrierter Form die Textleichen wieder, die ich in den vergangenen Wochen zusammengebrabbelt habe. Zu bloggen gäbe es in der letzen Zeit verflucht viel. Aber ich möchte ja ein unpolitischer Freizeitblogger bleiben, der sich ganz wohl dabei fühlt, heikle Themen nur an ihrer Oberfläche zu streicheln. Darum hier etwas herzlose Auflistung der erwähnenswerten Räubergeschichten der letzten Wochen mit Querverweisen zu einem etwas konstanteren Blogger

Am Wochenende vor Ostern war ich in Nkumba. Nach Nkumba kommt man nach 2.5h Bus, 15 Minuten Matatu und 8 Minuten Taxivelo. Das was cool da. Hingeführt hat mich ein ehemaliger deutscher Freiwilliger, der dort während 10 Monaten im petite seminarie unterrichtet hat. Wir haben Fisch gegessen, Aussicht genossen, sind durch die Landschaft gestolpert und auf der Slackline rumgeturnt. Rapha, der warscheinlich coolste umudagi unter der Sonne, ist in der Zwischenzeit mein Nachbar und wohnt somit in der selben Cellule wie ich. Dieser Sachverhalt alleine macht Kamatamu noch ein wenig cooler. Seine Erlebnisse hält Rapha auf seinem technisch einwandfreien und fänzi durchgestylten Blog fest. Hier sein Nkumba Beitrag. Und hier die Taxivelofahrt gefilmt von Rapha. Leider war ich dabei ein klein wenig verkrampft, da ich nur einen Träger meines Rucksackes eingeschlauft hatte, was zu kleineren Instabilitäten geführt hat und zu entsprechenden Flüchen des Piloten geführt hat (wo er ja auch recht hat, ich meine wer will denn schon auf einem Scharfkantigen Basaltboden landen).

Am Ostersonntag bin ich dann nach Bujumbura gereist, um eine Woche dort zu arbeiten. Ich habe geholfen eine Schulung in “Intro to GIS” und “Intro to mobile GIS” zu geben. Das war schön und eindrücklich. Um das Gelernte umzusetzen, sind wir mit den Kursteilnehmenden während einem Morgen quer durch Buja gefahren, und haben centre de sante, Spitäler, Apotheken und die Wege zudenselbigen, sowie deren Attributdaten mit dem GPS aufgenommen. Später soll dieses Wissen dem CNLS dienen, die etwas knappen Mittel im Aufbau des Gesundheitswesen effizient zu allozieren. Am meisten ist mir die Spucke weggeblieben im Unispital. 1800 Patienten werden von vier Ärzten betreut. Und das in einem Land mit Nahrungsmittelknappheiten, bürgerkriegsähnlichen Scharmützeln, gefährlicherern Strassen und Malaria. Weiter löst auch der Begriff Unispital bei uns die Assoziation an ein grosses Haus aus. In Buja ist dies allerdings eher eine Ansammlung regelmässig angeordneter Barracken, wo die Leute hinkommen, um menschenunwürdig zu Grunde zu gehen. Diese Umstände und die Tatsache, dass es in Burundi noch ein klein wenig weniger gibt als in Ruanda, hält die Burunder nicht davon ab, ein pulsiserendes Stand- und Nachtleben zu haben. Letzteres konnte ich leider nicht geniessen, da ich ein klein wenig krank wurde, als der Ausgang spruchreif wurde. Keine Angst, nichts schlimmes. Die Dame vom Polizeispital in Kigali hat mir mit einem tiefen, etwas abschätzig gebrummten “negativ”, das Heftchen mit meinen Malariatestresultaten zurückgegeben während, ihren Blick schon zum nächsten, in der alles andere als kurzen Schlange Stehenden, gerichtet.


Seit Mitte April habe ich nun auch wieder eine neue Mitbewohnerin. Sandra, mit der ich schon während des Sommercamps im Dezember 2009 zusammengearbeitet habe, ist für die Feldarbeit für ihre Masterarbeit nach Kigali gekommen. Vor einpaar Wochenenden haben wir gemeinsam Mont Huye bewandert, einen ewas höheren Hügel in der Südprovinz. Das war sauschön, die Aussicht schon fast beängstigend, da Ruanda trotz seiner flächenmässigen Kleinheit von Horizont zu Horizont ein endloses Meer aus grünenen Hügeln bildet. Natürlich haben wir auch einen Abstecher im grössten Schwimmbad Rwandas (20x25x3m) gemacht, sind Akabenze essen gegangen und sind dabei gewesen als in Taba eine 80er Jahre Party stattfand. Ziemlich cool, ha?

Ja, und mir gehts gut, für einen Weissen hat sich eigentlich in Kigali auch nach den letzten Granatanschlägen, grösserem Militäraufgebot in Kigali und Wechsel an der Militärspitze des Landes keine nennenswerten Veränderungen gegeben. Hintergründe, Ideen und eigene Gedanken teile ich mit euch wenn ich wieder in der Schweiz bin, da ich denke, dass ich in diesem Bereich einfach zu wenig Kompetenzen habe, mein Halbwissen öffentlich kundzutun. Falls sich jemand noch bevor er meine Räubergeschichten zu Ohr kommen lässt informieren geben folgende Quellen ziemlich gut Auskunft:

Ein bisschen das Gerüst, an dem man aktuelle Geschehnisse aufhängen und einordnen kann.

Ruanda auf Wikipedia

Teilweise gute Beiträge und hübsche Fotos findet man hier:

Das Schweizer Engagement in Ruanda ist ja bekanntlich nicht unwesentlich, trotzdem behandeln die CH medien Ruanda doch wohl eher ein klein wenig stiefmütterlich...

Ein guter Einstieg sind darum folgende Links: Newtimes, cooperation suisse


Der in diesem Post vielzitierte Umudagi trägt akribisch Neuigkeiten über Ruanda zusammen, die es sich lohnt zu lesen bzw. gegebenenfalls das RSS-feed zu abonnieren.

An einem anderen wunderbaren Wochenende bin ich wiedereinmal umuganda-wandern gegangen. Auch hier möchte ich auf den schier unglaublichen Tatsachenbericht verweisen, der in einer Wortgewandtheit, wie sie nur unsere geschätzten und geachteten nördlichen Nachbarn hinkriegen, abgefasst wurde.

Vorletztes Wochenende bin ich wiedereinmal der Südprovinz einen Besuch abstatten gegangen. Eine Sitzung mit dem Direktor und die Tag der Arbeit Versammlung der Uniangestellten standen auf dem Programm. Am nächsten Tag habe ich mir in der Nähe von Nyamagabe ein schauerliches Memorial (umulinki) angesehen. Die Eindrücke die ich dort gesammelt habe, sind kaum zu beschrieben. Einerseits haut einem die Brutalität des Dargestellten um, andererseits könnte das Ganze einiges besser aufgemacht und erklärt sein. Da kann man jetzt sagen, ja was erwartet da der Umuswisi von diesem armen Land wieder. Trotzdem sind zirka 42% der Bevölkerung unter 14 und haben also den Bürgerkrieg und den Genozid nicht erlebt. Da liegt es in meinen Augen nahe eine ehrliche, propagandafreie und einfach verständlich aufbereitete Auseinandersetzung mit dem Thema zu gewärleisten, was hald besser ist als gebetsmühlenartig immer alle Grausamkeiten runterzubeten. Ähnliches, differenzierteres und ausführlicheres Gedankengut zu diesem Thema, festgehalten von einem Politikwissenschaftler mit Ruandaerfahrung gibts hier.

Dieses Wochenende habe ich zusammen mit der Bazungu-Kamatamu Crew in Kibuye verbracht. Das ist ein sehr verschlafenes Städtchen am Kivusee. Die Region dort ist so schön, dass man sich fast nicht sattsehen kann. Weiter waren die Brochetten und das Bier preiswert, der Sternenhimmel unglaublich sternen- und sternschnuppenreich, der Sonnenuntergang traumhaft kitschig und die Gesellschaft äusserst angenehm. Auch unsere Aktivitäten lassen sich sehen. Wir haben einen Handydieb mit geistigem Entwicklungspotential vor einer ordentlichen Tracht Prügel bewart, Sonnenbrände und Nachbrände kassiert, Waragi an die lokale Bevölkerung verteilt und in einem Alleingang, der seinesgleichen noch sucht, der Waragiindustrie in Uganda zu neuen Absatzrekorden im südlichen Nachbarland verholfen. Für die Fotos in diesem Post bedanke ich mich herzlich bei S. Zeder und bei R. Breyer.

Freitag, 22. Januar 2010

Vorschau...



Raaider: Piero Esteriore
Phötteler: Phips W-Punkt
Lokalität: Ducanscharta anno 2007

Mittwoch, 20. Januar 2010

Ganz schön beneidenswert, nicht?

Es ist soweit - Kigali hat mich wieder. Und das schon seit 10 Tagen. „Schön ist’s hier, noch schöner wär’s mit dir“. Die Ferien in der CH waren gut, auch wenn das Telemarken schon bewusstseinserweiternder war. Meine Mobilien haben fast heil ein neues zu Hause gefunden, ich habe wieder einmal mit famous forti gesprochen, angemessen Weihnachten und Neujahr gefeiert, mich mit meiner Schwester gestritten, einen Spaziergang mit Nando unternommen, bin Skifahren gegangen und habe mit Spruzzi einen Berg bestiegen. Es waren also schöne Ferien, nicht nur wegen dem hier Aufgezählten.

Im Moment bin ich wieder einmal der einzige Bewohner des Hauses in Kigali. Natürlich bis auf die Wächter, die auch regelmässig am pennen sind, wenn ich heimkomme. Aber ich wäre nicht ein wahrhaft grosser Pädagoge, wenn in diesem Fall die allabendliche Teelieferung ausbleiben liesse. Gute Ausreden werden hingegen mit kleinen Desserts belohnt. Eine Hitlist darf demnächst hier erwartet werden.

Es ist definitiv gar nicht mehr so einfach eine spannende Geschichte einfach so hinzuschmettern. Ich glaube nach einem Jahr im Land der tausend grossen SUV’s, der Millionen Sekten und der Trilliarden guten Ausreden ist man gegenüber Uneuropäischem einfach gar nicht mehr so empfänglich. Darum kurz und bündig:

Diesen Samstag sind wir in der Nähe von Gitarama in einem alten Steinbruch klettern gegangen. Dem staunenden Publikum (siehe Photo, dass es mit dem Fotoreport von Steffi Graf im National Geographic leicht aufnehmen kann) hats gefallen. Und es war auch tatsächlich schön. Eine Hornisse hat’s weniger schön gefunden und hat ihren Territorialanspruch mit diversen Stichen in mein rechtes Knie durchgesetzt.

Die letzte goat & gorilla party in der embassy war auch wieder ziemlich feuchtfröhlich und ich habe meine englisch skills mit ein bisschen Bierkonsum ans positive Limit gepusht.

Africas Cup of Nations vor einer Leinwand in Afrika zu kucken ist, wie wenn man ihn in zu Hause vor einer Leinwand kucken würde.

A ja, und im Flugzeug bin ich neben einer gesessen, die sich in Gott verliebt hat. Scheisse und ich setz mich immer noch mit Problemen, wie einem „work plan 2010“ oder warum das blöde Asterbild nicht über das existierende DHM zu liegen kommt geschweige denn ihren Platz in der Datenbank findet bzw. warum ich den clipandship-service immer noch nicht hingekriegt habe, auseinander.

Ich habe auf meiner Joggingrunde in Kigali Affen gesehen – und Kraniche, was ganz schön beneidenswert ist, nicht?

Dienstag, 22. Dezember 2009

Aaim aim still aaalaiiif...


...aka das Imperium schlägt zurück aka warum qualitativ hochstehende Posts aka wilda has aka i will aifach Fraua und Gäld aka blaua mentig.




Liebe Leserschaft, bitte entschuldigt die Unregelmässigkeit, beziehungsweise Nichtexistenz meiner Posts. Die letzten Monate waren sehr turbulent. Turbulente Monate lassen sich bekanntlich auch schwer zusammenfassen. Ich will es an dieser Stelle trotzdem versuchen und euch eingedunsen aber nicht aufgeblasen davon berichten, was sich in Ostafrika so abspielt (neben Dürren, Scharmützeln, Misswahlen, und neuen Internetleitungen).

Zu den highlights der letzten Monate zählten meine Ferien zu Hause, das ESRI fest in München (bzw. allgemein die Zeit in München), die AfricaGIS in Kampala (riesige GIS internationale GIS konferenz in der Hauptstadt Ugandas), der Eine oder Andere Grund warum ich mich wenigstens temporär noch wohler in Kigali gefühlt habe, sehr gute Belegung im Haus, in dem ich Wohne, der GISDay in Kigali, das ESRI summer camp (Teilnehmende meiner Gruppe mit ihren Diplomen siehe Bild (Foto: Stefan Rova)), dass mich schliesslich wieder einmal an meinem Geburtstag arbeiten liess, die Erfahrung, dass ich noch viel Französisch lernen und meine rethorische Klinge schärfen muss, bzw. manchen Situationen ein bisschen schneller denken muss und der Besuch von Damian, der meine Unbesuchtheit defloriert hat.

Herausgefordert herausgeüberfordert war ich manchmal, flachlich klar, was aber für euch eher von Interesse ist, ist meine "Situation". Diese ist manchmal gar nicht so einfach zu meistern und ich denke, dass folgende Dinge zu den Herausforderungen gehören:

Sich selbst treu bleiben ist in meiner Situation im Moment gar nicht so einfach. Es gibt viel zu Organisieren und ein agieren in einem mangifaltigen Interessen- und Erwartungsfeld fällt mir manchmal ganz schön schwer. Man hat das Gefühl, dass einiges von einem erwartet wird, andererseits hat man selbst Ideen, wie Dinge in die Realtät umgesetzt werden können.

Eine weitere Herausforderung ist das Agieren in der doch eher oberflächlichen expat-Welt Kigalis. Dagegen hat eine Bolgenschatzebegrüssungsrunde mit 50 "wia hesch" geradezu den Tiefgang einer Psychoanalyse. Es wird genetzwerkt und ganz viiiiiel gearbeitet. Das Wertesystem kommte einem hippen Lümmel wie mir manchmal ganz schön verzerrt vor. Generell gilt, zwischenmenschliche Sympatien lässt man besser erst gar nicht aufkommen, denn das gegenüber könnte ja in einer Woche schon wieder auf einem anderen Kontinent arbeiten oder gar mit einer (sich eingebildeten) Konkurrenz unter einer Decke stehen, oder generell nicht ins objektive Konzept passen. Aber um wirklich mit dieses Szene abzurechnen, kenn ich sie zu wenig, darum behalte ich den Ball an dieser Stelle mal mittelhoch.

Veränderungen. Ich komme nach Hause- vorübergehend bzw. für Weihnachten/Neujahr. Ich muss ja schliesslich sehen, wie sich Nando entwickelt. Glaubt man den Fotos ist er ein rechter Bömber geworden. Weiter muss ich noch meine Sachen von dem Keller der Wattstrasse wegzügeln, da das ganze Haus umgebaut wird, und mein Superbett zweifellos nicht mehr so gut aufgehoben ist. Danach werde ich nochmals für ein halbes Jahr nach Ruanda gehen. Mitte Februar werde ich für einen Monat nach Hause kommen, natürlich um dem Wintersport zu fröhnen. Also alles in allem eine komfortable Ausgangslage und eine neue Chance.

Soviel zu den Hürden. Etwas nächstes betrifft meinen elektronischen Briefkasten. Alles hat ein Ende und nach einem Jahr nach physischem Verlassen der alma mater wurde mir mein rege genutzter fixpunkt im web 1.0 jäh entrissen. Kurzentschlossen habe ich zur weltberühmten Datenkracke gewegselt und bin jetzt für offizielle Korrespondenz nicht mehr unter meiner access-email erreichbar.

Auch wenn man es sich nach diesem Post warscheinlich wünscht, es ist nicht der Letzte und der Autor ist gewillt wieder zur alten Ergussfrequenz zurückzufinden. Noch sitze ich allerdins am Flughafen in Kigali fest, da die Brüsselärlain Verspätung in Studendimensionen hat. Das entstehen dieses Beitrags verdanken wir einzig und allein dieser Verspätung und der Rwanda Civil Aviation Autorität, die nicht mal in der Lage ist ihre WLAN Netzwerke zureichend zu schützen. In dem Sinn hübschi Wiahnachta und an guata Rutsch.

Freitag, 25. September 2009

klettern gehen


Ich habe vor ein paar Wochen meine Kletterausrüstung in der Schweiz bestellt, da ich ein Mädel kennengelernt habe, die jemanden kennt, der klettert. Dieser jemand ist ein schusseliger, freidenkender, pädagogisch hippiähnlich handelnder, ehemaliger medecin sans frontiere (in seinem Fall wohl treffender sans direction). Er ist ein völlig zerstreuter, aber unglaublich sportlicher Familienvater, der eine unglaubliche Leidenschaft für Afrika, seine Familie, Klettern und Tennis besitzt. An seinem Haus hat er eine ganze Boulderwand eingerichtet (die leider für meine bescheidenen skills ein wenig zu schwierig ist). Die kletterspots sucht er sich aus den Topo-Maps aus dem Jahr 1988 auf denen man Felszeichnungen so vergebens sucht, wie unter 700 cand lic jus jemanden, der das Fach aus Interesse studiert. So sind wir (Srait, crazy Ruander der etwa eine Trillion Sportarten betreibt, Courtney, die soviel Muskeln hat, wie ruandische Dörfer Kinder, eine Kollegin von ihr, auf deren Rücken sich nicht weniger Muskelpäcklein befinden, Ludwig, der medecin sans direction und ich) im Pickup richtung Gitarama gebleifusst. Nach 30 minütigem Höllenritt über die Hauptstrasse und 20 Minütigem Holperritt über eine Strasse mit metertiefen Schlaglöcher sind wir vor einer Felswand gestanden, die sich sehen lassen kann. Ludwig richtete drei Routen mit topropes ein an denen man danach klettern konnte. Diese Routen waren wild, sie gingen an einem Rabennest vorbei (mit Jungen darin) und einem Hornissennest. Schon bald bildete sich an diesem verflucht steilen Abhang eine schaulustige Menge von ein bisschen verlausten Kinder. Das war wild. Man konnte keine Bewegung machen ohne nicht von rund 40 Augenpaaren beobachtet zu werden. Warscheinlich sind sie fast durchgedreht, als wir mit Essen begonnen haben (afrikanische Kinder auf dem Land haben IMMER Hunger). So süss wie die auch ausgesehen haben, mit der Zeit gingen sie mir auf den Sack, da sie nicht still sein konnten und zum Teil gefährlich nahe an der sichernden Person gestanden sind. Leider waren die Routen auch eine bisschen schwierig für mich, und ich konnte eigentlich nur eine meistern. Die atemberaubende Aussicht und die einfach groteske Szene mit den vielen Kinder, die uns einfach unentwegt angestarrt haben machte den Tag aber trotz schmaler Kletterleistung unvergesslich.