
Von spannenden Erlebnissen zu berichten ist nicht ganz einfach. Irgendwie ist alles interessant, was ich erlebe, trotzdem ist es nicht ganz einfach es zu beschreiben, beziehungsweise dabei nicht zu weit auszuholen. Blanke Erlebnisberichte verlieren bei schlecht dosiertem Einsatz auch ihre Wirkung. Doch worüber könnte ich dann schrieben:
Ich könnte damit anfangen zu beschrieben, dass ich mich gefragt habe, ob ich als Wirtschaftsgeographieprofessor kandidieren soll, nachdem ich vor zwei Jahren am ETH-Präsidenten gescheitert bin. Meine Publikationsliste ist ja ziemlich lang und eindrucksvoll, beziehungsweise gespickt mit guten Noten (falls ich mir selber welche geben dürfte). Und auch intellektuell dürfte ich auf keinerlei Probleme stossen da ich mit den Van Wezemäls unter der Sonne problemlos schritthalten kann. Ok, das wäre auch ein wenig ein langweiliges und viel zu überhebliches Thema für einen Blogbeitrag. Ich könnte über einen „verpassten“ Traumwinter oder darüber berichten, wie frenetisch Ruanda die Erfolge er schweizer Skinationalen feiert. Ein ziemlich inhaltsloser Beitrag würde daraus resultieren.
Darum skizziere ich mal das „System“, wie ich es bis jetzt kennengelernt habe. Natürlich völlig ohne Anspruch auf Vollständigkeit, subjekiv und nur mit wenig Hintergrundwissen. Zudem sind die Aussagen auf mein „Umfeld“ (und somit auf einen verscheindend kleinen Teil von Ruanda) beschränkt. Kommentare und Anmerkungen sind darum willkommen.
Die Welt zu Gast in RuandaTeilweise habe ich schräge Erfahrungen mit Umuzungus gemacht: hier einpaar Beispiele: Ein lokales NGO (von denen es nicht gerade wenig gibt gibt) werkelt so stur in seiner eigenen Welt vor sich hin, dass sie nicht einmal mitkriegen, dass in der allgegenwärtigen Mobilfunkkommunikation die Nummern ändern. Es kommen Maturanden nach Ruanda, voller Enthusiasmus und Idealismus, aber leider ohne irgendwelche Fähigkeiten die gebraucht werden könnten (klar, ich zweifle manchmal auch, ob ich gesuchte Fähigkeiten besitze, aber he, immerhin kann ich das Spaghettimodell erklären – mämpfi Spagehtti). Es kommen Weisse nach Ruanda die Brücken bauen wollen, dass zuvor aber noch nie gemacht haben. Weltbankangestellte fahren die fettesten Autos, weil sie einen ganzen Schiffskontainer voll mit Sachen aus der Heimat mitnehmen dürfen (ganz oben auf der Hitliste dieser Mitbringsel steht meist ein überdimensionierter SUV). Dafür verdienen sie auch nur einen durchschnittlichen UBS Lohn mit variablen Kostenanteilen. Gut sie brauchen das Geld, weil sie aufwändige Frauen halten.
Auch Personen mit grosser Afrikaerfahrung betonen gebetsmühlenartig in welchen Ländern sie welche Projekte erfolgreich durchgeführt haben, trotzdem haben sie aber ihre Affinität die gleichen Fehler immer und immer wieder zu machen nicht abgelegt und zeigen sich trotz (oder gerade wegen) ihrer immensen Erfahrung ziemlich lernresistent.
Diese Aufzählungen lässt sich beliebig erweitern und wie gesagt, teilweise wohl auch die eigene Person irgendwie einordnen. Natürlich haben alle umuzungus im Sinn „capacity building“ zu betreiben. Der Begriff ist in aller Munde und macht auch Sinn. Die Umsetzung erfolgt aber in sehr unterschiedlicher Art und Weise und ist manchmal ziemlich sinnfrei (Aussage eine Projektmitarbeiterin: „Unser Projekt wird danach von unbezahlten Praktikanten aus dem Westen fortgeführt.“).
..und die locals?Die Ruanderinnen und Ruander profitieren manchmal (manchmal ist es aber auch komisch, wenn man in einem Land in dem längst nicht alle in die Primarschule gehen können, darüber diskutiert wird, ob und wie man GIS in den Schulen auf Sekundarstufe einsetzten könnte). Weiter gehen die Ruander auch nicht gerade nachhaltig mit ihrem neuen Wissen und ihren neuen Möglichkeiten um. Hier ein paar Beispiele:
Leute, die die Möglichkeit hatten eine bessere Ausbildung zu geniessen sind oft nur an einem eigenen hohen Salär interessiert. Die Qualität der Arbeit oder der Grund warum sie eine gewisse Ausbildung geniessen konnten wird dabei total vergessen. Dies erschwert vor allem nachfolgenden Studenten einen ähnlichen Weg zu beschreiten.
Neue Möglichkeiten werden auch zweckentfremdet. Beispielsweise gibt es Schulen, die in ihren funktionierenden Computerräumen ein Internetkaffee betreiben, um die Gehälter der Lehrer aufzubessern. Die Nutzung des Raumes steht selbstverständlich den Schülern dann nicht mehr zu Verfügung.
Aber auch bei ausgebildeten GIS-Fachkräften kann man beobachten, dass sobald sie ein Angebot auf einen lukrativeren Job erhalten, diese Möglichkeit sofort warnehmen, obwohl sie am neuen Job überhaupt kein GIS benötigen. Diese „Abwanderung“ von ausgebildeten Leuten findet im Inland statt (z.B. Vom CGIS zu besser zahlenden nationalen und internationalen Firmen und Ministerien, aber auch ins Ausland statt).. Teilweise wird auch förmlich darauf hingearbeitet, dass im Minimum die eigenen Kinder die Möglichkeit haben, irgendwann einmal Ruanda zu verlassen, um irgendwo anders eine Arbeit zu finden (Ich sage nicht, dass das für den einzelnen schlecht ist. Für die Institution die die Leute ausgebildet hat und eventeuell sogar Master und Doktoratsstudien ermöglicht und für das Land als ganzes betrachtet ist diese Abwanderung aber fatal.
Wo sind nun die Chancen von Ruanda: Allgemein denke ich, dass Ruanda sehr wohl Chancen hat sich mit seinen Voraussetzungen positiv zu entwickeln. Das Land ist landschaftlich attraktiv und weist unter anderem eine gebietsweise geschützte Flora und Faune auf. Tee und Kaffee wachsen gut und sind bekannt. Die westliche Welt ist sensibel, was die Entwicklung dieses Binnenlandes angeht, was zu einem beträchtlichen Strom an Entwicklungsgelder führt. Eine weitere Möglichkeit ergibt sich aus dem Ziel im Jahr 2020 die IT-Nation Afrikas zu sein. Das ist zwar ein sehr hochgestecktes Ziel, schafft aber immerhin Arbeitsplätze für besser Ausgebildete und die Möglichkeit für Ruander, die nach einem Master oder einem Phd im Ausland sind, wieder in ihr Heimaltland zurückzukommen.Weiter denke ich, dass die Ruanderinnen und Ruander grundsätzlich motiviert sind, Dinge zu lernen. Beispielsweise hat mich jemand gefragt, den ich nur mehr oder weniger flüchtig kenne, ob ich ihm zeigen könne, wie man Karten herstellt. Ein anderes Beispiel ist unser Tageswächter. Er hat sich Englischbücher gekauft und fragt uns jeweils die Dinge die er nicht versteht, oder die er nicht aussprechen kann. Sein Fortschritt ist gross, jedenfalls um Längen grösser, wie meine Kinyarwandafortschritte.
Schliesslich....In Ruanda gib es viele Möglichkeiten mit überlegtem Vorgehen etwas zu bewirken. Für einen Universitätsabgänger aus Europa sind die Arbeiten nicht uninteressant (total neue Umgebung, neue Arbeitsweisen, andere Stellung in der Hierarchie in einem Betrieb usw.).
Die kurzfristigeren aber auch längerfristigen Entwicklungen in Ruanda sind höchst spannend. (z.b. Wie geht Ruanda mit der Auslandsabhängigkeit um, was machen sie mit Herrn Nkunda, wie schafft Ruanda der Wechsel der Zweitsprache Französisch zu Englisch (Lehrer, Beamte, Lehrende und Politiker müssen eine neue Sprache lernen).
Für diejenigen die bis zum Schluss durchgehalten haben. Folgendes ist die Bedeutung der einzelnen Elemente der ruandischen Flagge:
Der blaue Balken steht für Frieden. Dieser soll erarbeitet sein und leitet über zum wirtschaftlichen Erfolg (der mit dem gelben Balken symbolisiert wird). Das Grün steht für die Hoffnung auf Wohlstand, erarbeitet aus Wissen und den Voraussetzungen die das Land Ruanda bietet. Die Sonne steht soweit ich informiert bin für das Licht, dass den Ruandern aufgehen soll, wenn sie sich als geeintes Volk wahrnehmen.