Samstag, 27. Juni 2009

Nicht nur ruanda rockt, sondern auch da vos schön isch und downtown switzerland




Nun, ich habe den letzten Monat in der Schweiz verbracht. Trotz Ferien war er sicherlich nicht der leichteste meines Lebens. Ich glaube ich bin mit falscheren Vorstellungen zurück in die Schweiz gekommen, als ich im Januar nach Ruanda gegangen bin, vor allendingen was die meineserachtens gesund gelebte Partnerschaft angeht. Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. „Ganz klar der Kulturschock“, schliesst der geneigte Leser voreilig. In diesem den Schuldigen zu suchen ist aber etwa gleich clever, wie mit einem präsenilen Exbundesrat eine Wirtschaftsethikprofessur zu besetzen. Der Kulturschock hat dem Juno also sicher nur auf eine minimal beschränkte Art und Weise mitgeprägt. Weltverbesserisch habe ich nämlich nur konstatiert, dass wir in der Schweiz nicht im Überfluss, sondern in blanker Verschwendung leben. Dies mache natürlich auch ich – auch in Ruanda, den dort lebt es sich auch mit dem Lohn eines methodischen Geographen minimal aber passend ausgerüstet mit Wissen über GIS, wie ein Spatz im Hanfsamen. Neben dem, dass ich vom Angebot eines Migros geflasht bin, finde ich daran also nicht Spezielles in den beiden Unterschiedlichen Leben.

In den kommenden Monaten werde ich sicherlich von vielen exquisiten Erlebnissen zehren können; sei dass das verheerend emotionale Gefühl mit dem Göttibuab auf dem Bauch einen Mittagsschlaf zu machen, das neue Leben der kleinen Schwester zu bestaunen, auf einem Bockerl eine steile Forststrasse runterzubrettern, von schneebeckten Bergen sich einen Überblick zu schaffen, nachdem man während dem Aufstieg sein Inneres zu ordnen versuchte, beziehungsweise den Rücken von Posi Rhymes bestaunen konnte, die viel zu kleine und darum perfekte Tempurmatratze im umgebauten Elternhaus zu geniessen, das Gefühl vor Liebeskummer fast in tausend Stücke gerissen zu werden; an Partys zu feiern in denen vor allem die Rheintaler nicht nur betrunken sind; das Sofa in der ehemaligen Wohngemeinschaft zu surfen, um zu erkennen, dass es nicht mehr wirklich eine Wohngemeinschaft ist, sondern vielmehr die Wohnung eines jungen Paares, aber hald trotzdem noch genauso gemütlich ist; die eigenen Grenzen beim Klettern zu streicheln, obwohl man eigentlich gar nicht so gerne klettert; neue Erfahrungen in einem neuen Arbeitsumfeld zu machen, wo alles für einem getan wird, dass man einen guten Start haben kann; Waragi auf dem Lindenhof zu trinken; von Freunden zu erfahren, die ihr ganzes Können und ihre ganze Zuversicht benötigen, um den von ihnen gewählte Weg ohne Fall zu meistern (aber trotzdem oder gerade desshalb immer für Waragis und vor allem für Mintus begeisterungsfähig sind), festzustellen, dass die ASVZ-Kontrolleure im Leben nie auf das Ablaufdatum der Legi kucken und zu guter letzt das wilde Gefühl eine junge Frau in den Armen zu halten, die so hinreissend ist, dass es einem verunmöglicht einen klaren Gedanken zu fassen. Was mir aber sicherlich aus all den Erlebnissen herausragt, sind die Gespräche mit euch – all die Bier-, Ratgeber-, Lehr-, Männer-, Informationsgespräche mit verdächtig viel Tiefgang (Niveau wäre wohl falsch).

Kurz gesagt, während einer längeren Abwesenheit verändert sich viel, echt Bewährtes kristallisiert sich aber auf eine einzigartig wunderbare Art und Weise heraus. Das Umfeld in dem ich in den nächsten Monaten sein werde, wird sicherlich nicht das Einfachste sein, denn auch in Ruanda hat sich die Welt in der Zwischenzeit weitergedreht. Zudem werde ich nun nicht mehr der in Watte eingepackte Praktikant sein, sondern als richtiger Mitarbeiter Verantwortung übernehmen. Irgendwie ein prickelnder Gedanke. Aber eben: möchte man's einfach, kann man auch einfach einen Monat Ferien in der Schweiz machen...