Mittwoch, 20. Mai 2009

Reise durch das Kinderzimmer der Menschheit


Ostafrika ist wunderschön, so viel ist sicher. Ich habe mir den letzen Monat Zeit genommen, um diesen Teil Afrikas, der auch als Geburtsstätte der Menschheit bekannt ist, kennenzulernen. Meine Route beschrieb grob eine grosse Rundtour über Ruanda, Brurundi, Tanzania und wieder zurück nach Ruanda. Die berühmteren Stationen dabei waren Bujumbura, Kigoma, Dar El Salaam, Zanzibar und Arusha.

Nach Bujumbura konnte ich mit Lennarts Familie fahren. Diese hat mich sehr stark an Familie Flodder erinnert. Trotzdem ware die Zeit mit ihnen gemütlich und gelungen. Weiter haben die Eltern von Lennart in ihren jungen Jahren einige Zeit in Bujumbura gelebt. Beim Anblick vom berühmt berüchtigten Strandabschnitt „Sagga Plage“ sind ihnen dann auch die Erlebnisse dort gefeierten Parties in Erinnerung gerufen worden. Bujumbura ist eine wilde Stadt, voller Männern mit Schnellfeuergewehren, Strassenkinder und einem pulsierenden Nachleben. Mir hat es aber nicht gefallen und ich bin so schnell weiter als möglich. Mein nächstes Ziel war Kigoma, welches ich eigentlich über den Tanganikasee erreichen wollte. Leider konnte ich kein Boot finden, dass mich mitnahm. Darum musste ich wohl oder übel mit einem Matatu fahren. Das war seeehr anstrengend und ohne eine alte Sonntagszeitung, die mir Stefan mitgegeben hat, hätte ich warscheindlich aufgegeben. Ich spreche der Sonntagszeitung einen Unterhaltungswert nicht ab, ich benutzte sie allerdings um eine gewisse Knautschzone zwischen meinem Knie und der Vorderbank im doch seeehr engen und sehr gut gefüllten Sammeltaxi zu schaffen. Leider sind auch mit dieser Massnahme meine Knie auf den holperligen Strassen ganz schön blau geworden. Der Grenzübergang zu Tanzania war im totalen Niemandsland. Dieses Neimandsland war aber ziemlich schön anzusehen. Leider wartete auch auf der tanzanischen Seite ein weiteres Matatu. Zeit für einen Strategiewechsel und einem Platz in der Mitte. Auch dieser Bus platze bald aus allen Nähten, auch zu einem Schweitern dieses Ansatzes führte. Weiter mussten wir dauernd an irgenwelchen Checkpoints anhalten und wurden kontrolliert. Ein Polizist hat sich darüber mockiert, dass ich mit meiner afrikanischen Kurzhaarfrisur gar nicht so aussehe wie auf dem Hippieverschnitt-passfoto in meinem Ausweis. Weiter sagte, dass mit dem Ausweis was nicht stimmen könnte, da ich ja nie und nimmer erst 24 sein könne. Nach ein paar Witzeleien und dem Nachfragen nach seinem Premier League Lieblingsverein liess er mich aber gerne wieder in den Bus einsteigen. In Kigoma angekommen, überprüfte ich mal wann denn der Zug nach Dar El Salaam fahren werde. Glücklicherweise kannte ich den Namen des Stationsvorstandes. Ohne diesen Namen hätte ich gar nichts erreicht, denn wie mir später zu Ohren gekommen ist, kann ein Muzungu am Schalter keine Tickets oder nur solche in weiter Zukunft lösen. Nach einem kleinen smalltalk öffnete mir Mr. Logonzibua aber Tür und Tor und ein Erstklassticket nach Dar El Salam befand sich schon bald in meiner Hosentasche. Leider nützt auch das Billett in der Tasche soviel wie eine EC Karte in Ruanda, wenn der Zug Verspätung hat. Gut, Verspätungen bedeuten für einen gestandenen RhB-Veteranen wie mich keine weitere Kalamität, höchstens eine kleinere Auflockerung einer sonst stinknormalen Fahrt. Leider handelt es sich beim der Tanzania Railways Corporation nicht um die „kleine Rote voll in Fahrt“ und bei der Fahrplanabweichung um keine in Stundendimensionen, sondern um eine solche mit einer Tagesdimension. Dadurch konnte ich Kigoma in all seinen Facetten kennenlernen. Mehrheitlich sass ich am Ufer des Sees, ging Schwimmen und versuchte mein Mobiltelefon wieder nutzbar zu machen. Dies ist mir dann nach neu erstanderner SIM-Karte auch gelungen. Der Chef der örtlichen Vodacom-Filiale liess sich es dann auch nicht nehmen, dem Muzungu seine Familie und sein Quartier angemessen vorzustellen. Dieses Quartier ernährt, bekleidet und unterhält er mit seinem Einkommen. Die Verhältnisse sind verheerend ärmlich, trotzdem fand ich es lieb von ihm, dass er mir einen solchen einblick in sein Leben gegeben hat. Nach einer Woche Wartezeit ging meine Zugfahrt dann endlich los. 1350 Kilometer zeigte die erste Markierung an, welche an der Trasséegrenze angebracht war. Das Abteil teilte ich mit einem gestandenen Bahnreisenden der diese Strecke pro Jahr mehrere Male zurücklegt. Es war gut jemanden im Abteil zu haben, der wusste, welche Vorsichtsmasnahmen man gegen Bahnbaditen treffen musste (mein Reisekamerad hatte einmal einen solchen, der durch das Fenster in das Abteil steigen wollte mit eigenen Händen wieder aus diesem rausbefördert), wo man die beste Zwischenverpflegung erhält und wie man die Zeit mit Zuckerrohrstangensaugen totschlagen kann. Nach dreieinhalb Tagen erreichte ich Dar. Dort ist es sehr schön heiss. Trotz Horrorgeschichten über diese Stadt gefiel sie mir. Ich lernte am ersten Abend einen Schweizer kennen, der in Mwanza (Stadt aus dem Film Darwin's Nightmare) arbeitet und gerade Vater geworden ist. Dieses erfreuliche Ereigniss wollten wir entsprechend mit Gerstensaft begiessen zudem wollte Roli warscheindlich von meinen ersten Erfahrungen als Onkel und Götti profitieren. Leider war es im muslimischen Quartier nicht gerade einfach ein Bier zu finden und unsere Route zur Trunkenheit war vom Suchen geprägt wenn nicht sogar überschattet. Am nächsten Tag gings mit leicht sturmem Schädel für ihn mit der Swiss nach Zürich und für mich mit der Sea Star ll nach Zanzibar Town und von dort mit dem Matatu nach Kendwa. Die nächsten Tage waren geprägt von Beachvolleyball, Schnorcheln, tighten Mädels in Bikinis, Bier, Beachboys mit grossem geistigem Entwicklungspotential und einer Hängematte zwischen zwei Kokospalmen. Zanzibar als Feriendestination ist schlicht genial und liess mich Andrea vermissen wie noch nie in den vergangenen Monaten. Nach zwei Tagen in Stone Town flog ich über Dar und Arusha nach Kigali. Die Flieger waren spärlich besetzt (im letzten Flugzeug mit gut 100 Plätzen waren gerade mal 7 besetzt und das inklusive Pilot, Copilot und Cabin Crew,hehe). Die Reise bestätigte mein Bild, dass ich bis jetzt von dieser wunderschönen, spannenden aber auch problembehafteten Region habe. Es hat mir gefallen, ich hatte dort Gspändlis wo's hilfreich war, ich hatte Glück wo ich's brauchte und meine Ruhe wo ich sie nötig hatte.

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