Am Wochenende vor Ostern war ich in Nkumba. Nach Nkumba kommt man nach 2.5h Bus, 15 Minuten Matatu und 8 Minuten Taxivelo. Das was cool da. Hingeführt hat mich ein ehemaliger deutscher Freiwilliger, der dort während 10 Monaten im petite seminarie unterrichtet hat. Wir haben Fisch gegessen, Aussicht genossen, sind durch die Landschaft gestolpert und auf der Slackline rumgeturnt. Rapha, der warscheinlich coolste umudagi unter der Sonne, ist in der Zwischenzeit mein Nachbar und wohnt somit in der selben Cellule wie ich. Dieser Sachverhalt alleine macht Kamatamu noch ein wenig cooler. Seine Erlebnisse hält Rapha auf seinem technisch einwandfreien und fänzi durchgestylten Blog fest. Hier sein Nkumba Beitrag. Und hier die Taxivelofahrt gefilmt von Rapha. Leider war ich dabei ein klein wenig verkrampft, da ich nur einen Träger meines Rucksackes eingeschlauft hatte, was zu kleineren Instabilitäten geführt hat und zu entsprechenden Flüchen des Piloten geführt hat (wo er ja auch recht hat, ich meine wer will denn schon auf einem Scharfkantigen Basaltboden landen).
Am Oste
rsonntag bin ich dann nach Bujumbura gereist, um eine Woche dort zu arbeiten. Ich habe geholfen eine Schulung in “Intro to GIS” und “Intro to mobile GIS” zu geben. Das war schön und eindrücklich. Um das Gelernte umzusetzen, sind wir mit den Kursteilnehmenden während einem Morgen quer durch Buja gefahren, und haben centre de sante, Spitäler, Apotheken und die Wege zudenselbigen, sowie deren Attributdaten mit dem GPS aufgenommen. Später soll dieses Wissen dem CNLS dienen, die etwas knappen Mittel im Aufbau des Gesundheitswesen effizient zu allozieren. Am meisten ist mir die Spucke weggeblieben im Unispital. 1800 Patienten werden von vier Ärzten betreut. Und das in einem Land mit Nahrungsmittelknappheiten, bürgerkriegsähnlichen Scharmützeln, gefährlicherern Strassen und Malaria. Weiter löst auch der Begriff Unispital bei uns die Assoziation an ein grosses Haus aus. In Buja ist dies allerdings eher eine Ansammlung regelmässig angeordneter Barracken, wo die Leute hinkommen, um menschenunwürdig zu Grunde zu gehen. Diese Umstände und die Tatsache, dass es in Burundi noch ein klein wenig weniger gibt als in Ruanda, hält die Burunder nicht davon ab, ein pulsiserendes Stand- und Nachtleben zu haben. Letzteres konnte ich leider nicht geniessen, da ich ein klein wenig krank wurde, als der Ausgang spruchreif wurde. Keine Angst, nichts schlimmes. Die Dame vom Polizeispital in Kigali hat mir mit einem tiefen, etwas abschätzig gebrummten “negativ”, das Heftchen mit meinen Malariatestresultaten zurückgegeben während, ihren Blick schon zum nächsten, in der alles andere als kurzen Schlange Stehenden, gerichtet.
Seit Mitte April habe ich nun auch wieder eine neue Mitbewohnerin. Sandra, mit der ich schon während des Sommercamps im Dezember 2009 zusammengearbeitet habe, ist für die Feldarbeit für ihre Masterarbeit nach Kigali gekommen. Vor einpaar Wochenenden haben wir gemeinsam Mont Huye bewandert, einen ewas höheren Hügel in der Südprovinz. Das war sauschön, die Aussicht schon fast beängstigend, da Ruanda trotz seiner flächenmässigen Kleinheit von Horizont zu Horizont ein endloses Meer aus grünenen Hügeln bildet. Natürlich haben wir auch einen Abstecher im grössten Schwimmbad Rwandas (20x25x3m) gemacht, sind Akabenze essen gegangen und sind dabei gewesen als in Taba eine 80er Jahre Party stattfand. Ziemlich cool, ha?
Ja, und mir gehts gut, für einen Weissen hat sich eigentlich in Kigali auch nach den letzten Granatanschlägen, grösserem Militäraufgebot in Kigali und Wechsel an der Militärspitze des Landes keine nennenswerten Veränderungen gegeben. Hintergründe, Ideen und eigene Gedanken teile ich mit euch wenn ich wieder in der Schweiz bin, da ich denke, dass ich in diesem Bereich einfach zu wenig Kompetenzen habe, mein Halbwissen öffentlich kundzutun. Falls sich jemand noch bevor er meine Räubergeschichten zu Ohr kommen lässt informieren geben folgende Quellen ziemlich gut Auskunft:
Ein bisschen das Gerüst, an dem man aktuelle Geschehnisse aufhängen und einordnen kann.
Teilweise gute Beiträge und hübsche Fotos findet man hier:
Das Schweizer Engagement in Ruanda ist ja bekanntlich nicht unwesentlich, trotzdem behandeln die CH medien Ruanda doch wohl eher ein klein wenig stiefmütterlich...
Ein guter Einstieg sind darum folgende Links: Newtimes, cooperation suisse
Der in diesem Post vielzitierte Umudagi trägt akribisch Neuigkeiten über Ruanda zusammen, die es sich lohnt zu lesen bzw. gegebenenfalls das RSS-feed zu abonnieren.
An einem anderen wunderbaren Wochenende bin ich wiedereinmal umuganda-wandern gegangen. Auch hier möchte ich auf den schier unglaublichen Tatsachenbericht verweisen, der in einer Wortgewandtheit, wie sie nur unsere geschätzten und geachteten nördlichen Nachbarn hinkriegen, abgefasst wurde.
Vorletztes Wochenende bin ich wiedereinmal der Südprovinz einen Besuch abstatten gegangen. Eine Sitzung mit dem Direktor und die Tag der Arbeit Versammlung der Uniangestellten standen auf dem Programm. Am nächsten Tag habe ich mir in der Nähe von Nyamagabe ein schauerliches Memorial (umulinki) angesehen. Die Eindrücke die ich dort gesammelt habe, sind kaum zu beschrieben. Einerseits haut einem die Brutalität des Dargestellten um, andererseits könnte das Ganze einiges besser aufgemacht und erklärt sein. Da kann man jetzt sagen, ja was erwartet da der Umuswisi von diesem armen Land wieder. Trotzdem sind zirka 42% der Bevölkerung unter 14 und haben also den Bürgerkrieg und den Genozid nicht erlebt. Da liegt es in meinen Augen nahe eine ehrliche, propagandafreie und einfach verständlich aufbereitete Auseinandersetzung mit dem Thema zu gewärleisten, was hald besser ist als gebetsmühlenartig immer alle Grausamkeiten runterzubeten. Ähnliches, differenzierteres und ausführlicheres Gedankengut zu diesem Thema, festgehalten von einem Politikwissenschaftler mit Ruandaerfahrung gibts hier.
Dieses Wochenende habe ich zusammen mit der Bazungu-Kamatamu Crew in Kibuye verbracht. Das ist ein sehr verschlafenes Städtchen am Kivusee. Die Region dort ist so schön, dass man sich fast nicht sattsehen kann. Weiter waren die Brochetten und das Bier preiswert, der Sternenhimmel unglaublich sternen- und sternschnuppenreich, der Sonnenuntergang traumhaft kitschig und die Gesellschaft äusserst angenehm. Auch unsere Aktivitäten lassen sich sehen. Wir haben einen Handydieb mit geistigem Entwicklungspotential vor einer ordentlichen Tracht Prügel bewart, Sonnenbrände und Nachbrände kassiert, Waragi an die lokale Bevölkerung verteilt und in einem Alleingang, der seinesgleichen noch sucht, der Waragiindustrie in Uganda zu neuen Absatzrekorden im südlichen Nachbarland verholfen. Für die Fotos in diesem Post bedanke ich mich herzlich bei S. Zeder und bei R. Breyer.
Hui, da fühl ich mich ja geehrt. Gefühlte 27 mal in einem einzigen Text erwähnt zu werden....
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