Donnerstag, 9. April 2009

Claudio trifft Gorilla beringei beringei



Richte Berge vermisse ich ab und zu(nebst ein paar anderen Sachen). Eine Möglichkeit auf Ersatz findet sich im Norden des Landes. Dort befinden sich die grössten Berge Ruandas. Eigentlich sind es Stratovulkane, entstanden durch den ostafrikanischen Grabenbruch (J.P. Burg et al., 2008). Darum sind sie auch verdammt steil. Aber dazu später. Um von Butare nach Ruengeri zu fahren bracht es einiges an Sitzleder. Gerade mit langen Beinen sind die Abstände von Sitz zu Sitz sauklein (manchmal ist mein schwarzer Gürtel in Kamasutra hilfreich um mich auf den Sitz zu zwängen. Zudem macht ein Rucksack auf dem Schoss oder dem Rücken das ganze auch nicht einfacher). Schwierig ist manchmal auch das Aussteigen, weil hald die Beine sich im Tiefschlaf befinden. Da man Ruengeri schon fast als Touristenfalle bezeichnen kann, habe ich mir vorrangig mal über Leute die Leute in Ruengeri kennen über eine Schlafstelle informiert. Fündig geworden bin ich beim Team Ruanda, dem Radteam von Ruanda und dem Hersteller der so genannten „coffebikes“ (siehe Links). Die Teammitglieder fungieren als Verkäufer und Guards des kleinen Imperiums aus verstärkten Velorahmen, eines Bikeshops, einer Werkstatt und einem Lager aus zirka 200 Coffebikes. Die Fahrer haben eine äusserst drahtige Statur und sind wahrscheindlich zäh wie Handschuhleder. Während des Strassentrainings leben sie aber äusserst gefährlich. Letztes Jahr ist einer von ihnen von einem Lastwagen überfahren worden. Ich habe ihnen dann ein wenig über den Radsport in der Schweiz erzählt. Die Geschichten über den Kilometertest, die Rennbahn in Örlikon, die körnlipickenden Swissbikemastersteilnehmenden fanden sie, so nehme ich an, ziemlich spannend. Nach einem Oberschenkelvergleich haben sie mir dann ihrem neuen Mechaniker vorgestellt. Er ist auch ein Muzungu und erst seit 10 Tagen aus den USA in Rwanda angekommen. Gross assimiliert hat er sich jedoch noch nicht. Er hat weder ruandisches Geld, noch kennt er PK, dessen Konterfrei fast jede Wand in einem ruandischen Lokal ziert. Zudem ist er ein bisschen ängstlich. Als wir am Abend auf ein Bier in den Ausgang gegangen sind hat er doch tatsächlich sein Messer gezückt als uns ein Strassenjunge gefolgt ist. Ich habe mein Bestes versucht, um ihm zu zeigen, dass die Ruander ein sehr friedlich sind und es von Vorteil ist ein wenig von der Landeswährung in der Tasche zu haben und auch nicht unwichtig ist, wenigstens einen kleinen Background über die Politik und die Geschichte von Ruanda zu besitzen.
Am nächsten Tag hat mich dann der Fahrer des Teams nach Kinigi gefahren. Dort startet man zu den Gorillagruppen und auch zum Mount Karisimbi (der höchste Berg des Landes).

Das Gorillatrekking war eindrücklich. Da ich es mir nicht schon wieder leisten konnte, ein Auto zu mieten um vom Eingang zum Trailhead zu kommen, habe ich mir einen Sitzplatz in einem überdimensionierten SUV von zwei us-amerikanischen Touristen erschnorrt. Diese waren dann schon bald froh, dass sie mich dabei hatten, denn schon nach wenigen 100 Metern ist der Wagen so weit im Schlamm steckengeblieben, dass sie um jede Hand die mitgeholfen hat, den Wagen aus der misslichen Situation zu befreien, froh waren. Nach einer knappen Stunde Wanderung (sicher beschützt durch das ruandische Militär) haben dann die Gorillatracker über Funk unsere Guides informiert, dass die Gorillagruppe, die wir besuchen wollten ganz in der Nähe ist. Erste grosse Mistballen und geschälte Bambusstangen waren weitere Indizien. Das wirkliche Treffen mit der Gorillagruppe war eindrücklich. Die Kleinen spielten rum wie wild und versuchten so den grossen Silverback zu beeindrucken. Eigentlich muss man 7 Meter zu den Viechern Abstand halten, einer der Jungen kam aber schnurstracks auf mich zu. Ich brummte, so wie uns die Führer angehalten haben. Der Minigorilla liess sich aber nicht davon beeindrucken und forderte mich mit einem Klapps auf mein Knie zum Spiel mit ihm auf. Wenig später brach die ganze Gruppe zu einem anderen Platz auf. Das war cool. Der Silverback startete sogar noch einen Scheinangriff. Die Zeit mit den Gorillas ist auf eine Stunde beschränkt, um sie nicht zu sehr an die Menschen zu gewöhnen.

Berggorillas zu sehen macht extremen Eindruck, doch ist ein Besuch sehr kontrovers (ich möchte betonen, dass sich diese Quellen auf meine eingenen Erfahrungen und gemachte Gespräche stütze). Einerseits ist der Besuch extrem überteuert (eine Bewilligung kostet momentan noch 500 USD, Residents kommen mit 250 USD weg, in beiden Preisen sind allerdings keine Transportkosten mit eingerechnet, zudem will die ruandische Regierung den Beitrag erhöhen. Das ganze Tourismuskonzept des Landes ist ein wenig schräg gestaltet, dies ist aber kein Wunder, da ORTPN (ruandas Tourismusorganisation) von Pricewaterhouse Coopers „beraten“ wird (HSG – Roboter olé...Entschuldigung Simon, du bisch selbschtverständlich min Liablingsrobotr). Die Einnahmen aus den Nationalparks tragen sicherlich dazu bei die Parks zu schützen. Jedoch wird das Geld definitiv auch für weniger sinnvolle Ausgaben benötigt (Militärausgaben, Consultantaufgaben usw.) und einer breiten Masse werden die Einkünfte nicht zugänglich gemacht. Zudem können sich die Gorillas mit Krankheiten von Menschen anstecken und trotz aller guten Vorsätze, sie gewöhnen sich an die Menschen. Das war unter anderem die Gründe warum auch Frau Fossey gegen Gorillas als Tourismusattraktion gekämpft hat, was ihr eventuell auch den Kopf gekostet hat. Bestens finde ich, dass nur einige der vielen Gorillagruppen für einen Besuch zur Verfügung stehen. Das sind nur einige Punkte zu dieser Diskussion, für die dieser Blog ganz bestimmt nicht die richtige Plattform ist.

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